Wetterkapriolen sorgen für Rekordumsätze


Nicht alle leiden unter dem extremen Wetter. Wetterabsicherer können sich über massiven Kundenzulauf freuen.
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Bauern, Tourismusbetriebe, Bauunternehmen, Open-Air-Veranstalter und viele weitere Branchen sind einem hohen finanziellen Risiko ausgesetzt, wenn das Wetter nicht mitspielt. Und wird das immer launischer, können die Folgen dramatisch sein. Doch Betriebe können die Verluste wegen ungünstigem Wetter absichern: Beispielsweise mithilfe von Wetterderivaten.



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Seit 2008 bietet das Zürcher Unternehmen Celsius Pro mit Swiss Re im Rücken solche Zertifikate an. Ein Wetterderivat ist grob gesagt ein Finanzinstrument, bei dem meteorologische Daten wie Temperatur oder Niederschlagsmenge über die Auszahlung einer festgelegten Entschädigungssumme entscheiden.

Damit lassen sich Kunden gegen unerwünschte Wetterphänomene versichern und bezahlen dafür eine Prämie. Dank den Wetterkapriolen und einer «gesteigerten Wettersensitivität» läuft das Geschäft gemäss CEO und Gründer Mark Rüegg blendend. «Wir verzeichnen in den letzten zwei Jahren ein massives Umsatzwachstum und viele Neuanfragen.»


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Feste, Schiffe und Parks abgesichert

Der Schweizer Marktleader für Wetterderivate freut sich über Neukunden aus diversen Branchen. Schifffahrtsgesellschaften wie die Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft, zahlreiche Schweizer Bergbahnen oder Freizeitparks in den USA sichern ihr Sommergeschäft mit Celsius Pro ab. Und kürzlich kam mit dem Open-Sky-Festival in Huttwil ein Musikfestival als Neukunde hinzu. Auch das Open Air Gampel hat Rüeggs Dienste schon in Anspruch genommen. In Huttwil jedoch erhalten nicht die Festivalverantwortlichen eine Entschädigungssumme, sondern die Besucher (siehe Box).

Dieses Jahr will auch das Arboner Seenachtsfest kein Risiko mehr eingehen und entschied sich für Celsius Pro. Denn 2010 schloss das Arboner Seenachtsfest wegen Dauerregen mit einem Minus von 120 000 Franken ab. Die Versicherung kostet rund 10 000 Franken. Falls es während dem Fest, das vom 1. bis 3. Juli stattfindet, mehr als 15 Millimeter regnet, kriegen die Organisatoren 50 000 Franken zurück.

Trockenheit lockt Bauern

Doch nicht nur im Freizeitbereich kann sich Rüegg über Zulauf freuen. In den Niederlanden hat er seit letztem Jahr eine offizielle Partnerschaft mit dem Baumeisterverband.

Auch australische Bauern schützen ihre Weizen- und Baumwollernte mittlerweile mit Wetterderivaten der Zürcher Firma vor Wertzerfall. Bauern waren dem Wetter zwar schon immer ausgeliefert. «Aber heutzutage kalkulieren die Grossbetriebe immer enger und verkaufen ihre Ware teilweise schon auf Termin, weshalb sich viele absichern wollen», begründet Rüegg.

Was jedoch dieses Jahr besonders einschenke, so Rüegg, «ist die extreme Trockenheit». In Zermatt beispielsweise habe es im Vergleich zum langjährigen Schnitt seit Jahresbeginn 75 Prozent zu wenig geregnet. Das Niederschlagsdefizit ist dieses Jahr aber auch in weiten Teilen Europas zu beobachten. Deshalb kommen europaweit viele Bauernhöfe als Neukunden hinzu, so Rüegg.



http://www.20min.ch/finance/news/story/19774048