Von Alaska bis Finnland: Logenplatz für die Polarlicht-Show

Bühne frei fürs Himmelsspektakel! In nördlichen Ländern sind Polarlichter mit ihren farbig leuchtenden Schleiern die große Attraktion des Winters. Wegen eines Elfjahreshochs sind sie in diesem Jahr besonders aktiv. SPIEGEL ONLINE zeigt die besten Plätze mit Aussicht.



Sie strahlen in Gelb, Grün, Blau, Rot, wirken wie von Zauberhand an den dunklen Himmel gepinselt - und sind doch nur Naturphänomene: Nordlichter, wissenschaftlich Aurora borealis genannt. Als Zeichen der Götter und Geister deuteten früher die Menschen auf der Nordhalbkugel die so unheimlichen, riesigen Leuchterscheinungen.

Wissenschaftler erklären die bunten Wischer am Firmament dagegen so: Geladene Teilchen, darunter der sogenannte Sonnenwind, treffen auf die Erdatmosphäre auf und bringen Luftmoleküle zum Fluoreszieren - der Himmel leuchtet. Generell gilt: Je näher am Nordpol, desto spektakulärer ist die Show. Die vorherrschenden Wetter- und Lichtverhältnisse spielen dabei eine bedeutende Rolle.

In diesem Jahr ist das Nordlicht außergewöhnlich stark, weil der aktuelle Sonnenzyklus nach elf Jahren zu Ende geht. Eruptionen auf der Sonne sind dann besonders häufig, und außergewöhnlich viele Teilchen gelangen dann in die Nähe der Erde. Die beste Zeit zur Beobachtung ist zwischen September und März, wenn die Nächte lang, kalt und wolkenlos sind.

In Deutschland allerdings ist die Lichterjagd wenig viel versprechend. Wer sich die farbigen Naturkunstwerke nicht entgehen lassen möchte, muss hoch in den Norden reisen - nach Finnland, Grönland oder sogar Alaska. Hilfreich kann dabei eine kostenlose App für das Smartphone sein: "Aurora Forecast" wird mit Daten von der US-Wetterbehörde und der Universität von Alaska gefüttert und verfasst Vorhersagen für die Gebiete rund um die Welt.

 

Norwegen: Nachts kommt der Weckruf

Wenn sich in der nordnorwegischen Stadt Tromsø das Tageslicht allmählich verabschiedet, springt die Aurora borealis als zuverlässige Lichtquelle ein. Hier, nördlich des Polarkreises, ist die Aktivität der Polarlichter am größten, oft ist der Himmel stundenlang von leuchtenden Grüntönen erhellt. Tromsø rühmt sich auch der nördlichsten Universität, der nördlichsten Brauerei und des nördlichsten Planetariums weltweit. Besonders reizvoll sind die Kreuzfahrten mit den Hurtigrutenschiffen entlang der norwegischen Schärenküste. Wer möchte, der kann sich beim Auftauchen von Polarlichtern wecken lassen.

 

Die besten Logenplätze: Tromsø, Alta, Svalbard, Hurtigruten

Abisko in Schwedisch-Lappland
AFP

Abisko in Schwedisch-Lappland

Schweden: Das blaue Loch von Abisko

Dank ihres einzigartigen Mikroklimas - wenig Regen und oft wolkenloser Himmel - ist die Gegend um Abisko in Schwedisch-Lappland der wissenschaftlich nachweislich ideale Ort, um die Polarlichter in ihrer ganzen Intensität zu erleben. Nahe dem Abisko National Park gibt es in klaren Polarnächten ein Phänomen zu beobachten: Über dem 70 Kilometer langen Torneträsk-See tut sich das berüchtigte "Blaue Loch von Abisko" auf, ein Stück klarer Himmel, auch wenn der Rest des Himmels doch wolkenverhangen sein sollte. Hier liegt auch die Aurora Sky Station, in der man übernachten kann.

In Kiruna liegt die Kernzeit zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar. Von dort bieten verschiedene Reiseveranstalter "Northern Lights"-Touren an.

Die besten Logenplätze: Kiruna, Abisko (Schwedisch-Lappland)

Leuchten in Finnland
SRT/ Visit Finland

Leuchten in Finnland

Finnland: Warten, bis es "beep" macht

Auf geht's nach Luosto im hohen Norden Finnlands, zum Aurora Chalet, wo Gäste gleich bei der Ankunft den "Aurora-Alarm" ausgehändigt bekommen, der zu beepen beginnt, sobald die Polarlichter am Himmel auftauchen. Für die zuverlässige Funktion sorgt das Northern Lights Research Center, das sich im nahe gelegenen Ort Sodankylä befindet und die Voraussage an die Hotels liefert. Eine der Pilgerstätten ist Nellim am Inari-See, dem drittgrößten See Finnlands. Eher gemütlich verläuft die Beobachtung aus den Glas-Iglus in Kakslauttanen.

Die besten Logenplätze: Nellim, Utsjoki, Kakslauttanen, Ivalo.

Lichtschleier über Reykjavik
SRT/ R. Th. Sigurdsson/ Visit Reyklavik

Lichtschleier über Reykjavik

Island: Raus aus der Stadt!

Nichts ist gegen das elektrisierende Nachtleben von Reykjavik einzuwenden. Doch irgendwann ist gut, dann sollte man die Lichter der Stadt hinter sich lassen und den Thingvellir Nationalpark ansteuern. In diesem Park, der zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, wird das Auseinanderdriften der amerikanischen und europäischen tektonischen Platten durch imposante Felsspalten und Risse sichtbar. Der Nationalpark ist aber auch ein Mekka für die Fans von Polarlichtern, die hier besonders eindrucksvolle Tänze aufführen.

Die besten Logenplätze: Außerhalb von Reykjavik, Thingvellir Nationalpark, eigentlich die gesamte Insel.

Fairbanks in Alaska
SRT/ Brian Adams/ ATIA

Fairbanks in Alaska

Alaska: Aurora Borealis mit Ansage

Der größte und nördlichste US-Bundesstaat ist eine einzige große Bühne für die große Polarlichter-Show. Es gibt sie in allen Farben und Variationen. Kein Wunder, dass im Winter ein wahrer "Northern Lights"-Reiseboom entbrannt ist. Sobald man die Lichter der größten Städte, Anchorage und Fairbanks, verlassen hat, ist der Himmel bereit für das große Spektakel, das sich manchmal bis zu einer Stunde hinziehen kann. Gänsehaut-Alarm! Die University of Alaska bietet eine zuverlässige tägliche Polarlichter-Vorhersage an.

Die besten Logenplätze: Anchorage, Fairbanks, Denali Nationalpark

Manitoba in Kanada
Corbis

Manitoba in Kanada

Kanada: Big Sky, Big Bühne

Die Gegend um den Lake Superior in Ontario, die weite Tundra im Norden oder das menschenleere Gebiet um das Städtchen Whitehorse im Yukon Territory - hier sitzen Zuschauer in der ersten Reihe, wenn der Zirkus am Himmel beginnt. Der Himmel wirkt größer als anderswo, entsprechend überdimensioniert ist die Bühne für den Tanz der Farbschleier.

Die besten Logenplätze: Calgary, Ontario, Yukon Territory, Manitoba

Nordlicht in Grönland
SRT/ Ehrenberg Kommunikation

Nordlicht in Grönland

Grönland: Schleiertanz über der Eiswüste

Die gesamte Insel ist ein fabelhafter Platz für die Polarlichter. Während die Eiswüste im Inselinneren unzugänglich ist, hält man sich am ehesten in den südlichen und östlichen Küstenregionen auf, um des Spektakel zu sehen. Wo auch immer man ist: Augen auf, es geht gleich los!

Die besten Logenplätze: Kulusuk, Ammassalik

Quelle: Spiegel Online
Brigitte von Imhof/SRT/dpa/abl