Trance im Jahr 2003 ? Ist Trance schon tot ?
Posted by Hochstrasser Rene on 03/23/2003 12:00:00 AM | 0 Comments Blog, Reports
2002 war ein Jahr der Extreme.
Auf der einen Seite setzte sich das "Groesser, Fetter, Teurer" aus zehn Jahren Trance-Geschichte fort.
Auf der anderen Seite mussten die Veranstalter, Kuenstler, Label-Manager, Shop-Owner schmerzhaft feststellen dass das so in Zeiten der Rezession und des Zusammenbruchs der Musik-Industrie nicht mehr funktioniert.
Das Resultat waren etliche defizitaere und schlecht besuchte Parties, bankrotte Labels, etc...
Aber das ging nicht allen so. Namhafte Veranstaltungen wie Voov Experience, Antaris, Boom Festival, Samothraki Festival hatten quasi ungebremsten Zuspruch und auch einige Kuenstler raeumten bestens around-the-globe ab. Das nennt man dann Konsolidierung: Die Erfolgreichsten ueberleben oder werden sogar noch erfolgreicher. Das Mittelfeld und die "kleinen Fische" bleiben auf der Strecke. Trance Mainstream...
Das hat aber auch sein gutes. Schliesslich muss es nicht sein das es in unserer Szene mehr DJs gibt als "normale" Partygaeste. Es muss auch nicht jeder DJ selbst Musik produzieren. Und nicht jeder Produzent sein eigenes Label haben.
Man koennte jetzt unken "Trance ist Tod!". Ich wuerde aber eher sagen: Trance ist auf seinem Hoehepunkt. Trance hat sich zu einer weltweiten Alternativ-Kultur-Bewegung entwickelt. Wenn in Deutschland die Szene vielleicht stagniert, heisst das noch lange nicht dass das in anderen Laendern auch so ist. Mittlerweile kann man als Trance Freak quasi die ganze Welt bereisen und findet (fast) ueberall Gleichgesinnte, wenn nicht sogar internationale Festivals von beeindruckender Groesse. Und man kann sich quasi Jahr fuer Jahr das "gerade angesagte" Trance Land aussuchen, so mit Spirit, wenig Polizei-Stress, den wundervollsten Locations und einer frischen Szene...
Fuer die "Macher" gilt es also dieses Jahr umzustrukturieren, Entscheidungen zu treffen, durchzuhalten oder aufzugeben. Das Rezept lautet "Kleiner, Netter, Billiger"! Originalitaet statt Groessenwahnsinn. Essenz statt Reizueberflutung.
Eine ideale Party wie ich sie sehe gibt jedem DJ drei oder vier Stunden Zeit sich zu entfalten. Die Kuenstler sind ein Mix zwischen (inter-) nationalen und lokalen Namen. Die musikalische Gestaltung nicht eintoenig sondern eine Reise durch verschiedene Styles. Nicht jede Party muss bis Sonntag Abend gehen und der Eintritt sollte realistisch bleiben.
Auch der Musik-Markt kann entschlackt werden. Momentan steigt kaum noch jemand durch. Viele schlechte Releases - Kopien von Kopien. Tracks sind schon "veraltet" bevor sie ueberhaupt releast werden. Ich wuensche mir weniger Labels & Releases - Qualitaet statt Quantitaet.
Trance ist eine Trend Szene. Da will fast jeder sein Hobby zum Beruf machen. Doch das kann nicht funktionieren. Und das werden viele in 2003 herausfinden. Hoffen wir dass sich die Szene dabei nicht selbst zerstoert...
(Psy-) Trance ist immer noch irgendwie Underground. Kopf-Musik. Alternativ. Nicht jedem zugaenglich. Das ist kein Pop. Und daher kann das kapitalistische "Groesser, Fetter, Teurer" auch nicht endlos funktionieren. Besinnen wir uns auf die Grund-Ideen ñ Freiraum, Toleranz, Individualitaet, Harmonie, Spass, Respekt ñ und retten "unsere" Szene!
Sam@Chaishop.com