Zwischen Hippness und Mainstream

Trancemode zu kaufen ist nicht so ganz einfach, denn man muss sie erst einmal finden. In den hochgestylten Fashionshops der Innenstadt braucht man erst gar nicht zu suchen und sogar in den eher alternativen Vierteln der Großstädte hat man mitunter Schwierigkeiten. Kommt man jedoch an einem strahlenden Sommertag auf die typische meckpommsche Festivalwiese, reiht sich zwischen Chaiständen, Headshops und Wagenburger ein Klamottenstand an dem anderen.



Diese Häufchenbildung basiert auf dem Problem, dass es nur wenige global agierende Fashionlabels wie Psylo, Space Tribe oder Shaman gibt, deren Hosen, Shirts und Tops auch wirklich in real existierenden Läden zu haben ist. Und sogar diese führenden Hersteller unserer Szene haben Schwierigkeiten, die richtigen Abnehmer zu finden. Naja, unsere Szene ist halt über den gesamten Globus verstreut.

Hauptschauplatz der Freakfashionindustrie ist die indonesische Insel Bali. Mehr als 80 Prozent der Trancemode wird dort hergestellt. Man hat sich halt hier niedergelassen, um in einem angenehmen Klima kreativ künstlerisch tätig zu sein. Im Winter wird produziert, im Sommer wird gereist und verkauft.

Obwohl man denken sollte, die Mixtur aus Trancecommunity, Mode und Hitze in Bali führt zu einem Zustand des permanenten Charrasglückszustandes, ist die Produktion von Trancefashion doch sehr nervenaufreibend. Denn tatsächlich sind asiatische Schneider viel langsamer, als gemeinhin gedacht wird – und nicht fehlerfrei, weiß Szenekenner Ron vom Bliss Store in München: „Die machen immer Fehler, deswegen muss man denen die ganze Zeit in der Produktion auf die Finger schauen.“

Sobald man in größeren Stückzahlen produzieren will, wird Bali zu teuer, da alle Materialien teuer importiert werden und der Arbeitslohn in China oder Hongkong viel billiger ist. Bali bedeutet hochwertige Herstellung bei möglicher kleiner Stückzahl. In Indien und Nepal ist die Qualität der Materialien und Verarbeitung viel schlechter, dafür billiger.

Die Zukunft der Trancemode geht in Richtung Professionalisierung und Industrialisierung. Die Qualität, früher ein großes Manko, hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Während man damals in Nepal auch produziert hat, beschränkt man sich mittlerweile lieber auf die Materialien von dort.

Auch in punkto Ausstattung und Funktionalität wird Trancemode künftig neue Akzente setzen, die teilweise erst nach Jahren in den normalen Handel kommen.
Trancemode wird also erwachsen, Batik und Full o­n Psychedelic ist auf dem Rückmarsch. Vor Jahren war die Trancemode viel ausgeflippter und hat sich sehr stark von normaler Mode unterschieden. Heute ist alles viel integrierter, teilweise schon nicht mehr zu unterscheiden von Clubfashion.
Und der Trend geht noch mehr in Richtung dieser Integration. Vielleicht wird künftig gerade deshalb von psychedelischer Musik inspirierte Kleidung aus unserer Szene besser zu finden sein. Dann müssen wir nicht erst wieder auf den nächsten Sommer warten, wenn wir auf der meckpommschen Partywiese psy-shoppen gehen.

Ron Kleiner ist Inhaber des Münchener Record- und Szeneshops „Bliss“. Er vollzieht täglich den Spagat zwischen Mainstream und Trancenische, versorgt Normalos mit Tranceklamotten und Trancer mit Clubwear:
„Die Innovativsten sind wohl Ami und Dan aka Psylo. Sie kombinieren Trancewear mit Streetwear und sogar HipHop-Styles. Atmosphere waren immer die edelsten und qualitativ hochwertigsten, haben aber aufgehört. Es gibt noch einige gute Labels, aber viele reiten noch auf der Flourowelle rum wie Space Tribe. Verkauft sich aber immer noch sehr gut, da viele junge Leute wieder Flouro toll finden.
Pagan zum Beispiel hat eine neue Drucktechnik entwickelt, die tagsüber normal aussieht und bei Schwarzlicht zu leuchten beginnt.´“

Die Mischung und damit die Kombination machts, denn Trancefashion ist oft nicht sexy, sondern halt psychedelisch.
Ron: „Ein großes Manko bei Trancemode ist, dass sie zu unsexy für die Allgemeinheit ist. Kiffen macht unsexy!!! Deswegen setze ich in meinem Laden auf die Mischung. Meine neuen Labels wie Von Dutch, Playboy, Pornstar, Bench sind purer Ausdruck eines gesunden Sexuallebens und für diese Zeit sehr wichtig. Diese Labels sind das genaue Gegenteil von Tranceklamotten, oberflächlich, sexy, primitiv und schaffen daher einen guten Ausgleich.“

Kombinieren ist also möglich. Und so ist die Zeit gekommen, dass sich beide Szenen im wahrsten Sinne des Wortes befruchten. Nach der Musik wird jetzt die Kleidung gemischt, jedoch schauen Clubwear-Labels auch von Trancemode ab und umgekehrt. Alles bleibt in Bewegung.


Shaman
Electro Wear heisst die Wortschöpfung des Bali Fashion Labels Shaman. Dies ist deren Weiterentwicklung des klassischen Trancemode-Konzepts mit neuen Materialien und höherer Qualität unter Beibehaltung des Partycharakters der Kleidung. Die Produktpalette ist umfangreich: Weiter Schlag, fetzige Schnitte, knallige Farben oder besondere Ausstattungen mit unendlich vielen Taschen - alles ist möglich. Shops überall auf der Welt führen bereits Teile der Shaman-Kollektion.

Wir vom mushroom waren ganz besonders von den schrillbunten Electro-Shirts angetan, so dass wir kurzerhand zusammen mit Shaman unser erstes offizielles mushroom Shirt mit abnehmbarer Kapuze entwickelten, das bald in begrenzter Zahl auf trancecard.de erhältlich ist - mit Trancecard sogar zum Hammerpreis von 19,90 Euro.


Space Shirts
Felice wollte eigentlich nur ihre selbst gestalteten Flyermotive auf Textil konservieren. Aus einer fixen Idee entstanden die ersten Space Shirts, die mittlerweile im eigenen o­nlineshop erhältlich sind. Dort kann man sich Shirtfarbe und Motive selbst zusammenstellen und sogar personalisieren lassen.


Space Tribe
„Normal is Boring - Created In Chaos“ ist das Motto von Miki Wisdom, dem Bruder von Oli Wisdom, der Space Tribe ja bekannterweise musikalisch auslebt und wohl unter einem ähnlichen Motto arbeitet. Mikis Fashionlabel Space Tribe ist wie viele andere Modefirmen des psychedelischen Schlages in Bali beheimatet und wird auch 2005 das entwickeln, was es am besten kann: Mit psychedelischen Mandalas und organischen Mustern bedruckte Trancekleidung in den schrillsten Farben der Szene. Jedoch muss der Space Tribe Fan längst nicht mehr im leuchtenden UV-Ganzkörperkondom herumlaufen - es gibt mittlerweile auch einfarbige Jacken und Hosen zum Kombinieren :-)



Miparti
Inspiriert von mittelalterlichen Kostümen und den Trance Partys in Goa entwickelte die deutsch-amerikaische Designerin und Musikerin Barbara Freise etwa vor sechs Jahren eine ganz spezielle, eigenwillige Art von Trancefashion. Barbara ist besonders stolz auf die handgewebte Baumwolle, in der die Farben besonders leuchten. Und so war es gar nicht mal eine Frage der Zeit, bis sie ihre erste Kollektion auf dem Wednesday Fleamarket in Anjuna verkaufte.
Im Sommer wird Miparti wieder auf den Festivals (wie VooV Experience und Fusion) vertreten sein. Im Winter soll dann ein o­nlineshop eröffnet werden, auf dem aber schon jetzt einige Adressen zu finden sind, wo man Barbaras bunte Kostüme erwerben kann.


Comycom
Das Label Comycom versteht sich als im weitesten Sinne authentischer Schlaghosen-Produzent. Jetzt, da fast alle Marken mit dem Modezug in Richtung „StraightLeg“ (gerades Bein) rauschen, zeigen sich die wahren Stärken des Labels: Aufwändige Waschungen, auffällige Batikmuster, bleached Optiken und immer möglichst nahe an den Originalen der Siebziger. Real vintage als Kernaussage gepaart mit enganliegenden Raveshirts und Clubjacken runden das Angebot für alle Liebhaber von Schlaghosen ab. Die Marke Comycom vertreibt über ihren o­nlineshop www.comycom.de seit 1999 ihr ständig wachsendes Sortiment und beliefert mit Eigenproduktionen eine wachsende Anzahl Einzelhändler in ganz Europa. Schnellebige Fashionprodukte kann man anderswo kaufen, comycom steht für eine Schlaghosenkultur ohne Wenn und Aber.


Psylo
Seit 1999 in Bali beheimatet, entwickelt Psylo Fashion funktionelle, ästhetische Traveller Mode. Dabei ist der der Output sehr hoch. Zweimal pro Jahr wird die Kollektion überarbeitet, für dieses Jahr sogar stark erweitert, um auch etwas außergewöhnliche Wünsche zu erfüllen.
Hohe Ansprüche werden dabei an die Qualität gestellt. Nicht zuletzt weil man Trancemode nicht nur auf der Party tragen können soll, sondern auch im täglichen Leben. In beiden Situationen machen die wirklich hervorragenden Klamotten von Psylo eine äußerst gute Figur. Der komplette Katalog ist als PDF downloadbar.


Pottrocker
Seit 2004 schmooven Frederik Flanger und seine Mitstreiter mit frischen Shirts & Sweats durch das Ruhrgebeat. Die Frühjahrskollektion steht unter dem Namen „Pottrocker - Urban Jungle Dancers“, danach geht's weiter mit der „Feel Free Foundation“. Es handelt sich dabei in erster Linie um hochwertig bedruckte Oberbekleidung aller Art für Mann und Frau, allerdings bildet die Ruhrpott–Guerrilla auch eine Promotion-Plattform, auf der DJs, Live Acts, Dekokünstler, Designer sowie Plattenlabels auf sich aufmerksam machen können. Den Warenkatalog kann man als PDF im Internet anfordern.