Techno
Posted by Hochstrasser Rene on 09/15/2013 04:22:10 AM | 0 Comments Blog, Genres
Techno
Ich höre nie Techno, hört man die Ignoranten sagen, die ihre Ablehnung gegenüber DJ Ötzi kundtun. Das ist doch kein Techno! – sagen dann die Bescheidwisser. Ja, was ist es denn dann? – das sollte doch vielleicht mal geklärt werden. Ist es stumpfes Gewummer? – äh, ja, mitunter. Ist es bummbummbumm, tsstsstsstss, tschakatschakatschaka? Bumm ja, tss ja, tschaka nur bedingt. Verstanden?
Techno, Tekkno oder Tekkkno entsteht als Musikstil und direkt auch als Jugendbewegung in den frühen 80er Jahren. Neue Tekknik macht es möglich. Die vermutlich zunächst wikktigste Szene des Techno entsteht in den 80er Jahren in Detroit.

Techno Geografie
Dort, zwischen Eriesee (denkt an Fontane: John Maynard) und Lake St. Clair werden bekannte elektronische Musikverfahren gründlich um ihre Verspieltheit erleichtert. Dem Chicago House wird der Funk herausoperiert, der New Wave eigentlich alles, dem Industrial die Handarbeit und heraus kommen klare Beats und Bässe, die im Nachtleben Detroits eine neue Tänzergeneration erquicken.
In Deutschland hält sich die Legende, dass der Begriff zuallererst in Frankfurt am Main als Regalkategorie in einem Plattenladen geprägt wird. Mag sein, denn auch in Frankfurt gibt es bereits früh einen elektrifizierten Techno-Freundeskreis (Sven Väth legt bereits Anfang der 80er Jahre hier auf). Ohnehin wird Deutschland von einigen wichtigen Vorarbeitern des Techno bewohnt. Kraftwerk sind hier zu nennen, aber auch einige Krautrocker werden immer wieder gepriesen.
Während in Mitteleuropa Techno zunächst ein recht unspezifischer Begriff bleibt, herrschen in Detroit bereits klare Vorgaben.
Techno Galaxie
Eine europäische Massenveranstaltung wird Techno mit dem Acid-House-Boom im England der späten 80er. Hier entsteht die Szene, die man noch heute als Außenstehender folgendermaßen wahrnimmt: bunt gekleidet „flippig“ (Maruscha), beschallt von synthetischem Gewummere und pauschal sicherlich immer auch mit synthetischen Drogen gefüllt. Raves. Oder Reefs. Im wiedervereinigten Berlin entsteht in leerstehenden Gebäuden und Privaträumen für eine kurze Zeit die innovativste und vielfältigste Clubszene der Erde. Im Ruhrpott schießen die Technokinder wie Knallbonbons aus den Zechen, offizielle Großveranstaltungen fangen die unkoordinierten Massen ein. Die Mayday in Dortmund (seit 1991) und die späten Loveparaden (die erste Loveparade findet bereits 1989 statt) sind nur die bekanntesten Beispiele.
Techno ist nie ein eindeutiger, klar zu umreißender Genrebegriff (wie vielleicht Dark Metal – da müssten die Technofreunde wahrscheinlich auch brechen), Techno ist jedoch, das kann man sagen, Mutterschiff für einen Teil modulartig einsetzbarer Genres der elektronischen Tanzmusik. Es gibt Acid Techno, Detroit Techno, Hardcore Techno, Minimal Techno und den großen Bereich des Trance. Es gibt regionale Besonderheiten (zum Beispiel eine eigene schwedische und italienische Schule) und Trends, die auftauchen und auch wieder verschwinden können.
Die Abgrenzung zum House ist nicht immer so klar, wie es einige Leute gerne hätten. Tendenziell ist House jedoch verspielter, hat eine größere Nähe zu real existierenden Instrumenten, ist eher langsamer und kann eher mit Vocals kombiniert werden. Allerdings sind Ausnahmen Standard.
Techno Geräte
Techno wird gewöhnlich allein von elektronischen Instrumenten erzeugt. Von Maschinen, Drumcomputern, elektronische Klänge sind erwünscht. Allerdings gibt es inzwischen auch von ganzen Orchestern eingespielte Technoalben (Jeff Mills).
Techno Götter
Tendenziell erlangen Techno-Djs und –Produzenten nicht denselben genreübergreifenden Bekanntheitsgrad wie andere Popstars. Allerdings gibt es durchaus in den 90ern Charterfolge, etwa die von U96, Westbam oder Maruscha.
Techno Gegenwart und Zukunft
Techno ist heute fester Bestandteil europäischer Kultur. Selbst das Goethe-Institut beschäftigt sich damit. Die üblichen Probleme eines jungen Genres (das Techno nun nicht mehr ist) hat Techno bereits hinter sich gebracht: vom Geheimtipp über den Hype und die Empörung diverser Geheimbünde zur mit „Untergang!“ betitelten Kommerzialisierung in das Erwachsenenleben und den Alltag. Willkommen noch mal!
Quelle: http://www.elixic.de