Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) veranstaltet vom 19. bis 21. Februar eine Konferenz von Suchtexperten zum Thema "Süchtige Kinder und Jugendliche - Prävention und Therapie des Substanzmissbrauchs". Bei der Auftaktveranstaltung verwiesen Experten auf die rasant angestiegene Verbreitung des Cannabiskonsums unter jüngeren Menschen. Am Donnerstag abend findet eine Diskussionsveranstaltung zum Thema "Legalize it !? – Das Für und Wider einer Legalisierung von Cannabis" statt.

Aufklärung über risikoarmen und risikoreichen Konsum scheint bei manchen Teilnehmern ein Tabu zu sein. Für sie gibt es keine Alternative zur Forderung von Abstinenz, obwohl diese immer weniger Gehör findet:

Strikt lehnen die UKE-Suchtexperten "safer use"-Kampagnen und Substitution mit anderen Wirkstoffen ab. "Sicherer Substanzgebrauch" würde eine Entscheidungsfreiheit für oder gegen den Konsum voraussetzen. Darüber würden Kinder aber nicht verfügen. Laut Thomasius konsumieren Jugendliche "nicht, um Spaß zu haben, sondern um ihre persönlichen Schwächen und Konflikte zu bewältigen".



Ganz anders äußerte sich jüngst Rolf Hüllinghorst, der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (früher: Deutsche Hauptstelle gegen Suchtgefahren e.V.), wenn es um Alkohol geht, eine Droge also, mit der Kinder und Jugendliche im Schnitt rund zwei Jahre früher erste Erfahrungen sammeln als mit Cannabis:
Doch laut Hüllinghorst ist der erste Rausch in der Jugend kein Verbrechen. Das Austesten der eigenen Grenzen sei ein Kennzeichen dieser Lebensphase. Es bestehe kein Grund nach einem solchen Erlebnis sofort von Sucht zu sprechen. «Wichtig ist, dass man auf keinen Fall überreagiert», erklärt Hüllinghorst. Vielmehr müsse man sich mit den Jugendlichen auseinander setzen und ihnen signalisieren, dass man registriert was sie tun.

«Wenn das Kind das erste Mal vollkommen betrunken nach Hause kommt, dann sollte man es erstmal seinen Rausch ausschlafen lassen. Mit Betrunkenen zu diskutieren macht keinen Sinn», sagt Hüllinghorst. Allerdings sei es sinnvoll, einen Termin für ein gemeinsames Gespräch zu vereinbaren. In der Auseinandersetzung mit den Jugendlichen, sollten dann gemeinsame Regeln entwickelt werden. Es könne und dürfe nicht darum gehen, den Kindern den Alkohol zu verbieten, vielmehr solle man ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit Bier, Schnaps und Wein beibringen. «Die Eltern haben eine Vorbildfunktion, die sie unbedingt wahrnehmen müssen», erläutert der Suchtexperte.

Der Trend zum Rauschtrinken [Yahoo.de/AP, 18.02.2003]
Drogenkonsum bei Jugendlichen steigt rasant [Welt, 19.02.2003]
Das Problem, nein zu sagen [taz, 19.02.2003]
"Süchtige Kinder und Jugendliche - Prävention und Therapie des Substanzmissbrauchs"
Cannabisverbot und Jugendschutz