Klingt es nach einer Drohung, wenn so Leute wie die Bundesdrogenbeauftragte
Caspers-Merk ausrufen: "Wir müssen diese jungen Leute unbedingt noch stärker
auf das Risiko aufmerksam machen" Drogen, in diesem Fall Ecstacy, zu nehmen?
Oder klingt das eher nach einem Hilferuf, spiegelt sich darin gar Angst,
dass ihren heucherlischen Appellen keiner zuhört?


Für die anhaltende Kriminalisierung bestimmter Jugendszenen taugt das ewigeWiederholen weltfremder Platitüden jedoch allemal. Zudem öffnet esStrafverfolgungs- und Verwaltungsbehörden alle Pforten der Willkür.

In Berlin häuften sich im März/April Razzien in Clubs und Diskotheken, wasdas Bundesnetzwerk Drogenpolitik (BND) bei den Grünen veranlasste, diese"Behördenwillkür" als Schädigung der "Partyszene und Drogenprävention" zuverurteilen. So führten beispielsweise im Casino in Berlin umfangreicheDurchsuchungen der Besucher sowie Tür durch die Polizei zum faktischenAusfall eines Element-Gigs. Obwohl es sich zunächst angeblich um einen Einsatz in der “Türsteherszene” handelte.

Engstirnige Verwaltungsrichter in Hamburg verhinderten in der Nacht zum 1.Mai die Traumratsversammlung OA. Die Polizei beendete am Vormittag des 1. Maidie traditionelle Hafengeburtstags-Fete von U-site noch ehe sie begonnen hatte.

Für den finanziellen Schaden wie den Schaden für die Zukunft von Künstlern,Club- und Veranstaltungskultur, haftet keiner von der Abstinenzfront. Wirbezahlen mit einer zunehmenden Anzahl von abgesagten Partys. Ob etwa diePolizei sie faktisch unmöglich macht (Bambuzina 2002), das schlechteWetter sein übriges tut (Lovefield 2002) oder verantwortungslose IndividuenPartys in ein schlechtes Licht rücken (Shiva Moon 2002) - für diesen Sommerverheißt das nicht nur Gutes.

Wir wollen hoffen, dass sich Veranstalter, Künstler und Besucher nichtabhalten lassen, ihr Grundrecht auf kulturelle Vielfalt undBewegungsfreiheit zu leben und sie gemeinsam dazu beitragen, Spontanitätund bunte Vielfalt nicht gegen Konformität und Vollkaskomentalitäteinzutauschen. Realize it.