Mit dem Motorrad nach Goa
Posted by Hochstrasser Rene on 04/28/2008 06:58:57 PM | 0 Comments Blog, Reiseberichte
Die Morgenlandfahrer Walo Kipper (rechts) und der inzwischen verstorbene Dieter Schrötwieser Ende 1976 auf ihrem Weg von Königstädten nach Indien und Nepal. Foto: privat
Seltene Motorräder, die er selbst restauriert, sind das eine Hobby Walo Kippers. Ausdauer und Zielstrebigkeit, die den Königstädter dabei auszeichnen, führten ihn einst mit seinem verstorbenen Freund Dieter Schrötwieser auf einem Motorradgespann sogar bis weit ins Morgenland.
Von
Dieter Ackermann-Girschik, gefunden auf www.main-spitze.de
Zu seinen Schätzen heute gehört jenes Gespann aus Kippers damaliger 1962-er BMW R60/II und dem Seitenwagen seines Freunde mit Opel-Kadett-Rad und Bremse, die schon in Italien ihren Dienst aufgab, aber nicht. Kippers Preziosen sind etwa eine 200er BMW, Typ RII und eine 500er BMW, Typ R51, beide aus den dreißiger Jahren und selbstverständlich fahrbereit. Ganz besonderer Stolz des auch passionierten Jägers ist eine MV Agusta, Baujahr 1972, die Anfang der 90-er Jahre sogar als Vorlage für eine Miniaturen-Serie diente. Vier Stunden lang wurde Kippers historische Rennmaschine dafür aus unzähligen Perspektiven fotografiert.
Lange davor, wie die "Main-Spitze" seinerzeit meldete, am 11. Oktober 1976, brachen Kipper und Dieter Schrötwieser von Königstädten aus zur großen Morgenlandfahrt auf. Seit ihrer Lehre hatten die beiden von einer solchen Fahrt bis zu den Stränden des westindischen Bundesstaates Goa geträumt. Und schon an der österreichischen Grenze gab es Debatten: Sie wollten wohl Reifen ins italienische Neapel schmuggeln, glaubten die Beamten dort wegen der gebrauchten Ersatzreifen auf ihrem Beiwagen, nachdem sie den Himalaya-Staat Nepal als Ziel angaben.
Da der Motor ihres Gespanns seltsam brummte, bauten sie ihn schon im griechischen Saloniki komplett auseinander und wieder zusammen. In Istanbul stoppten sie einen weiteren Tag, um die Metropole zu erkunden. Immer kälter wurde es, je weiter die zwei danach durch die Türkei in Richtung Osten fuhren - und immer abenteuerlicher die Qualität der Straßen und Pässe ihrer Strecke.
In Persien, dem heutigen Iran, war es immerhin wieder deutlich wärmer. In Afghanistan beeindruckten Volk, die schroffe Landschaft und Kipper in Kabul höchst unangenehm eine von zwei heftigen Darm-Grippen auf dieser Fahrt. Gleichwohl erreichte man weiter über Pakistan nach nur 13 Tagen Indiens Hauptstadt Neu Delhi, wo ihnen prompt der Hinterachsantrieb brach. Einen ganzen Tag lang brauchten sie, um die aus Deutschland nach zwei Wochen eingeflogenen Ersatzteile dort durch den Zoll zu bringen. Dann ihr "Abstecher" nach Nepal wo der thailändische Botschafter ihr Gespann kaufen wollte, aber nicht durfte. Der Beiwagen ging dort stattdessen an einen Australier, was auf dem Rückweg an der indischen Grenze prompt zu Diskussionen mit den Zöllnern führte. Weiter per Motorrad, Zug und Schiff kamen die beiden Morgenlandfahrer schließlich, wie geplant, rechtzeitig zu Kippers 21. Geburtstag Ende Dezember in Goa an, wo Jahre zuvor sogar die Beatles spielten. Von Bombay aus verschifften die zwei ihre Maschine schließlich nach Bremen und kehrten für weitere vier Wochen nach Goa zurück. Mitte Februar 1977 dann brachte sie ein Flieger ab Bombay heim. Nicht lange danach verkaufte Walo Kipper seine treue BMW. Da er Geld und Opel damals neue Leute brauchte, trat der gelernte Elektromaschinenbauer noch Ende Februar dort ein. Im Jahr darauf heiratete er Ehefrau Karin, ein weiteres Jahr danach kam seine ältere Tochter Regina zur Welt. "Und dann war erst mal Babypause und ich hatte bis etwa 1983 nichts mehr mit Mopeds am Hut", sagte er über die Zeit unmittelbar nach seiner abenteuerlichen Morgenlandfahrt.