Medizinische Wiederkehr einer Modedroge
Posted by Hochstrasser Rene on 04/28/2008 07:18:48 PM | 0 Comments Blog, Drogen
Vor 65 Jahren entdeckte Albert Hofmann LSD
LSD dockt im Gehirn an Rezeptoren an, die auch auf die Botenstoffe Serotonin und Dopamin ansprechen. Seine Wirkung entfaltet es vor allem in jenen Regionen, die Denken, bewusstes Erleben und bildhafte Vorstellungen mit planendem Handeln verknüpfen. Die genaue Wirkung ist nicht bekannt, aber die Vorstellung ist verbreitet, dass die Rezeptoren falsch angesprochen werden, sodass es zur Reizüberflutung kommt - was auch gut zum subjektiven Empfinden passt: Farborgien und Gefühle des Verschmelzens mit dem Kosmos.
Die Reizflut kann aber auch Übles bringen, vor allem wenn der Konsument LSD in negativer Stimmung einnimmt. "Horrortrips" bescheren dann Panik und paranoide Vorstellungen. Psychiater betrachten den LSD-Rausch deshalb auch als "Modellpsychose".
Dramatische Entgleisungen sind dennoch sehr selten. Berichte über fatale Nebenwirkungen der Trips waren kaum von medizinischen Befunden gestützt, sondern eher der Drogenpolitik der 60er- und 70er-Jahre geschuldet. Zwar wurden Fensterstürze kolportiert - LSD-Konsumenten wähnten sich angeblich fähig zu fliegen -, tatsächlich war der einzige dokumentierte Fall möglicherweise ein getarnter Mord. Real ist jedoch, dass einige LSD-Konsumenten in eine dauerhafte Psychose glitten. 1971 publizierte der britische Mediziner Nicolas Malleson eine Studie, wonach drei von 1000 Nutzern für längere Zeit oder dauerhaft psychotisch werden, vermutlich dann, wenn die Patienten eine erbliche Veranlagung für eine Psychose haben.
Umgekehrt propagierten in den 60er-Jahren einige Psychiater LSD gerade als ein Mittel gegen schwere psychische Leiden, in der analytischen Psychotherapie und bei Alkoholismus. Den Beleg, dass Alkoholiker mit der Droge leichter "trocken" werden, blieb die Forschung schuldig, deutlichere Hinweise gibt es dafür, dass schwer psychotische Patienten unter LSD-Einfluss wieder ansprechbar werden.
Doch dann kam das Totalverbot - das jetzt gelockert wird: Im Irakkrieg traumatisierte Soldaten, Angst- und Schmerzpatienten sollen testweise mit LSD behandelt werden, Studien sind in Planung. Kontrolliert angewendet könnte LSD ein sicheres und kostengünstiges Medikament sein. Die therapeutische Breite - das Verhältnis zwischen medizinisch wirksamer und tödlicher Dosis - ist sehr groß, eine Überdosierung kaum möglich. Die US-Drogenbehörde Nida stuft LSD zudem als nicht suchtfördernd ein. Vielleicht erlebt der 102-jährige Erfinder Albert Hofmann ja noch, dass seine psychedelische Droge auf Rezeptblöcken steht.
Gefunden auf www.welt.de
Das neue Kreislaufmittel, das Albert Hofmann suchte, wurde LSD nicht. Ein psychiatrisch wirksames Medikament schon, zumindest zeitweise. Nach einer langen Phase der Ächtung erlebt die Droge jetzt neue Wertschätzung als Arznei.
LSD dockt im Gehirn an Rezeptoren an, die auch auf die Botenstoffe Serotonin und Dopamin ansprechen. Seine Wirkung entfaltet es vor allem in jenen Regionen, die Denken, bewusstes Erleben und bildhafte Vorstellungen mit planendem Handeln verknüpfen. Die genaue Wirkung ist nicht bekannt, aber die Vorstellung ist verbreitet, dass die Rezeptoren falsch angesprochen werden, sodass es zur Reizüberflutung kommt - was auch gut zum subjektiven Empfinden passt: Farborgien und Gefühle des Verschmelzens mit dem Kosmos.
Die Reizflut kann aber auch Übles bringen, vor allem wenn der Konsument LSD in negativer Stimmung einnimmt. "Horrortrips" bescheren dann Panik und paranoide Vorstellungen. Psychiater betrachten den LSD-Rausch deshalb auch als "Modellpsychose".
Dramatische Entgleisungen sind dennoch sehr selten. Berichte über fatale Nebenwirkungen der Trips waren kaum von medizinischen Befunden gestützt, sondern eher der Drogenpolitik der 60er- und 70er-Jahre geschuldet. Zwar wurden Fensterstürze kolportiert - LSD-Konsumenten wähnten sich angeblich fähig zu fliegen -, tatsächlich war der einzige dokumentierte Fall möglicherweise ein getarnter Mord. Real ist jedoch, dass einige LSD-Konsumenten in eine dauerhafte Psychose glitten. 1971 publizierte der britische Mediziner Nicolas Malleson eine Studie, wonach drei von 1000 Nutzern für längere Zeit oder dauerhaft psychotisch werden, vermutlich dann, wenn die Patienten eine erbliche Veranlagung für eine Psychose haben.
Umgekehrt propagierten in den 60er-Jahren einige Psychiater LSD gerade als ein Mittel gegen schwere psychische Leiden, in der analytischen Psychotherapie und bei Alkoholismus. Den Beleg, dass Alkoholiker mit der Droge leichter "trocken" werden, blieb die Forschung schuldig, deutlichere Hinweise gibt es dafür, dass schwer psychotische Patienten unter LSD-Einfluss wieder ansprechbar werden.
Doch dann kam das Totalverbot - das jetzt gelockert wird: Im Irakkrieg traumatisierte Soldaten, Angst- und Schmerzpatienten sollen testweise mit LSD behandelt werden, Studien sind in Planung. Kontrolliert angewendet könnte LSD ein sicheres und kostengünstiges Medikament sein. Die therapeutische Breite - das Verhältnis zwischen medizinisch wirksamer und tödlicher Dosis - ist sehr groß, eine Überdosierung kaum möglich. Die US-Drogenbehörde Nida stuft LSD zudem als nicht suchtfördernd ein. Vielleicht erlebt der 102-jährige Erfinder Albert Hofmann ja noch, dass seine psychedelische Droge auf Rezeptblöcken steht.
Gefunden auf www.welt.de