Italo Disco
Posted by Hochstrasser Rene on 09/15/2013 03:47:16 AM | 0 Comments Blog, Genres
Italo Disco
Die frühen 80er. Der Punk ist tot, John Lennon ist tot, Elvis ist tot, Bob Marley ist tot, der Western ist tot, die Kennedys sind schon eine ganze Weile tot und Rimini ist als ultimatives Urlaubsziel der Deutschen schon lange gestorben. Eine neue Zeitrechnung beginnt und mit ihr sehen sich eine Reihe komischer Musiker veranlasst, die Bretter, die die Welt bedeuten, zu erobern – nein wartet: selbst die alten Bretter sind tot. Die Tanzfläche der Disco hat bereits einige Jahre gegenüber der Bühne erheblich an Bedeutung gewonnen. Die Götter sind von ihrem Olymp herabgestiegen, um am Freitagabend auf dem Tummelplatz des Parketts die Identifikation der Massen mit ihnen zu erlauben. Da bleibt kaum Platz für die alten Kapellen. Synthesizer, Keyboards und Drumcomputer lassen die schwitzenden, kaputten Stars vergessen.

Italo-Disco Geografie
Woher mag Italo-Disco kommen? Blöde Frage? Eigentlich ja, Italo-Disco startet von Italien aus – in Brescia. Ein gewisser Mauro Farina gründet dort 1981 gemeinsam mit dem Pianisten Giuliano Crivellente und dem Toningenieur Sandro Oliva das Label S.A.I.F.A.M.
Technik und Sound sind im Prinzip nicht neu. Die 70er-Disco hat bereits den Weg planiert. Eine ordentliche Portion an Albernheit grenzender Herzschmerz gehört zum Rezept. Es gibt wohl keinen Standardtanz, der noch nicht zu Italo-Disco bei einer Hochzeit über das Parkett gezwungen worden ist.
Die Musik ist ein Phänomen. Es handelt sich um schnell veröffentlichte Disco-Tracks, die, im Falle des Erfolges, vornehmlich als Single-Vinyl an den Tänzer gebracht werden. Und die Sache schlägt in Deutschland ein.
Italo-Disco Galaxie
Nicht nur in Deutschland. Das Rezept ist so simpel wie gut. Eine Single, ein Versuch, ein Treffer - oder Neuaufbau. Italo-Disco ist Produzentenmusik und entwickelt sich innerhalb Europas zu Euro-Disco. Dieter Bohlen springt auf den Zug auf, ebenso wie Erasure oder die Pet Shop Boys.
Es entwickeln sich einige Spielarten, zu denen Italo-Dance zu zählen ist. Bekanntester Vertreter hier sind Gigi D´Agostino und Eiffel 65.
Italo-Disco Geräte
Italo-Disco nimmt genau das vorweg, wovor uns unsere Eltern gewarnt haben: die ganz und gar synthetische Musik. Aber hätten die sich das früher so leicht, so bunt und so beschwingt vorgestellt? Sicher nicht. Leichte sphärische Klänge, leichte Beats, leichte Bässe – ab und zu rhythmisches Klatschen (Handarbeit ist schließlich nicht verboten!) – und ein Goldkehlchen, das dem, der gerade nicht tanzt, direkt ins Herz blickt.
Italo-Disco Götter
Wie gesagt, der Weg für Italo-Disco war bereits geebnet – schließlich kommen vor den 80ern die 70er. Und die Village People – zum Beispiel. Aus Italien kommt Umberto Tozzi – zum Beispiel. Und Al Bano (der mit Romina Power) ist bereits seit den 60er Jahren mit seinem Italo-Pop unterwegs.
Am Anfang war Umberto Tozzi mit „Gloria“. Er ist vielleicht kein Italo-Disco-Vertreter, aber die kennt heute kaum einer mehr (beim Namen). Wetten? Ryan Paris, Kano, Baltimora, Raggio Di Luna…
Einer? Keiner? Die waren hierzulande erfolgreich – und haben ihre Synthesizer nicht selten so eingesetzt wie Umberto bei „Gloria“.
Italo-Disco Gegenwart und Zukunft
Bei Italo-Disco handelt es sich nicht um eines dieser Musikgenres, die eine gute Zeit hatten und dann immer wieder mal in sind. Italo-Disco hat auf eine sehr eigenwillige Art überlebt. Zwar sind die Sampler, die man kaufen kann, nicht die besten Geldanlagen, dafür befinden sie sich in jedem vierten CD-Regal.
Und angeblich lebt Italo-Disco in Italo-House (Master Blaster 2003) fort. Das ist aber eine andere Geschichte.
Quelle: http://www.elixic.de