Hampi * Ein winziges Stück Südindien
Posted by Hochstrasser Rene on 09/05/2011 09:36:12 AM | 0 Comments Blog, Reiseberichte
Ein winziges Stück Südindien
Was nicht unerwähnt bleiben darf ist, dass Indien während unseres Aufenthalts in Hampi das Finale des Cricketcups gegen Sri Lanka gewann und wir dabei waren, als Indien das erste Mal seit Jahrzehnten Cricketweltmeister wurde. Selbstverständlich wurde das im Dorf entsprechend gefeiert. Die Bewohner hatten eine Public-Viewing Leinwand an einem antiken Holzwagen in der Dorfmitte angebracht und alle hatten sich auf dem Platz versammelt. Nach dem Abpfiff fingen die Männer an zu trommeln, zu böllern und sich gegenseitig mit Farbe zu beschmeißen, typisch indisch eben…
20. August 2011 von Daniel
… Hampi. Wer nach Indien reist, sollte unbedingt an diesen magischen Ort kommen und sich von den jahrhundertealten, hinduistischen Tempelanlagen begeistern lassen, die in einer traumhaften, einzigartigen Landschaft errichtet wurden.
In Hampi wurde im 14. Jahrhundert die Hauptstadt eines der bedeutendsten Hindu-Reiche Indiens gegründet, in dessen direkter Umgebung im Laufe der 200 Jahre, die das Reich bestand, über 2000 großer und kleiner Tempel errichtet wurden (was einem Jahresdurchschnitt von beeindruckenden 10 Tempeln entspricht). Die Tempel wurden in eine unvergleichliche Umwelt eingebettet, die größtenteils aus dem Braun, vom Regen glattgespülten Lavagesteins besteht, unterbrochen nur vom immergrünen Urwald und leuchtenden Bananenhainen und Reisfeldern.
Hampi ist ein Backpacker-Paradies, wer nach Indien kommt und jedes Klischee erfüllt wissen will, findet in Hampi, was er/sie sucht. Obwohl die Gegend in den letzten Jahren touristisch an Bedeutung gewonnen hat und jährlich tausende Besucher anzieht, ist der Ort recht einfach geblieben und hat seinen alternativen Charme behalten. Moderne Hotels und schicke Restaurants sucht man hier vergebens, stattdessen gibt es dutzende kleiner, bunter Guesthouses, die direkt im Zentrum der Anlagen errichtet wurden und von den Einwohnern betrieben werden. Die Restaurants sind einfach, aber entspannt und wer will liegt beim Essen auf einem Bett aus Kissen. Serviert wird neben Essen aus allen beliebten Backpacker-Orten des Subkontinents (Thali, ein einfaches Reisgericht aus Südindien, Momos, Teigbällchen aus Tibet etc.) auch internationales Essen, wer will kann ein englisches Frühstück mit echten englischen Bohnen und Speck haben, oder auch israelischen Humus, oder französische Crêpes, man hat sich auf die Bedürfnisse und Eigenheiten der Besucher eingestellt. In der gesamten Zone ist Schankverbot, wer Alkohol trinken will, muss ihn sich unter der Hand besorgen oder in den Nachbarort pilgern, dafür riecht abends das ganze Dorf nach Marihuana. Internetcafés, Restaurants und Schmuckläden sind in den alten Ruinen an der Hauptstraße untergebracht. In Crashkursen kann man das Spielen traditioneller Musikinstrumente lernen, zum Beispiel die Tablas (Trommeln) und die Sitar (eine Art Gitarre). Man kann sich gegen eine Spende mit Sadhus, Hindumönchen, ablichten lassen oder sich von der Tempelelefantendame knutschen lassen. Trotz der vielen Touristen, die Jahr um Jahr den Ort bevölkern, geht nebenher das normale Landleben weiter, am Ghat waschen die Frauen die Wäsche im Fluss und wer sich einen Roller mietet, kann auf die Felder hinausfahren und den Bauern beim bestellen der Felder zusehen. Ayurveda-Massagen und Yoga, Ali-Baba-Hosen und Leinenkurtas, entsprechend wenig trifft man hier auf die üblichen Senioren auf Bildungsreise, sondern eigentlich ausschließlich auf Backpacker.
Die meiste Zeit haben Paul und ich in den Tempelruinen verbracht und sind auf den Felsen herum geklettert, die Gegend lädt dazu einfach ein. Sonnenauf- und untergänge sind in dieser Stadt einfach ein einmaliges Erlebnis und so sind wir an einem Tag sogar bereits vor Sonnenaufgang auf den höchsten Punkt gepilgert um den Ausblick zu genießen. Und wenn wir nicht gerade geklettert sind haben wir mit den Mopeds, die überall angeboten werden, die Umgebung erkundet. Hampi war nach dem Stress der Millionenstädte Bombay und Pune so schön und entspannend, dass wir den Aufenthalt von drei auf vier Tage ausgedehnt haben.
Die letzten 10 Tage unserer Reise haben wir komplett an der Konkanküste im Westen Indiens verbracht und sind von Mangalore im Süden Karnatakas bis rauf nach Goa gefahren und haben an mehreren Stränden halt gemacht. Dass die indischen Strände ein Traum sind habe ich ja bereits des Öfteren erwähnt, daran hat sich auch nichts geändert. Mit Paul habe ich die schönsten Strände besucht, die ich im Leben je gesehen habe, besonders erwähnenswert sind wohl Om-Beach, ein wunderschöner, weißer Sandstrand, entlegen der üblichen Routen am Nordzipfel Karnatakas, der nicht mal im Lonely-Planet besondere Erwähnung findet und bis auf ein paar Hütten mit Schlafgelgenheiten nicht viel bietet, aber auch weniger touristisch ist und natürlich Palolem-Beach im entlegenen Süden Goas, der touristisch zwar erschlossener ist als Om-Beach, der aber, im Gegensatz zu den anderen Stränden Goas, noch nicht von Bettenburgen und Betonklötzen gesäumt wird und der sich noch Reste der Backpacker-Szene der 90er bewahrt hat, Strandhütten mit Palmendach inklusive. Wer wissen will wie es da aussieht kann sich mal den zweiten Teil von der „Jason-Bourne“-Reihe anschauen. Palolem ist der Strand an dem Bourne am Anfang langjoggt, kleiner Fun Fact am Rande: Der Kiosk an dem sich Bourne nach dem Joggen eine Flasche Wasser holt ist in Wirklichkeit eine alteingesessene Buchhandlung und befindet sich im Zentrum der Hauptstadt Panjim, der Stadt in der ich übrigens wohne und die sich satte 5 Autostunden entfernt von Palolem befindet. Stolze Leistung Mr. Bourne ;) )
20. August 2011 von Daniel