Eckhart, die Russen kommen!
Goa ist ein sehr beliebter Urlaubsort für Touristen aus dem In- und Ausland, jährlich
strömen ca. 2,4 Millionen Menschen nach Goa, um hier ihre freien Tage zu
verbringen. Aber warum auch nicht? Die sonnigen Sandstrände und die immergrüne
Natur sind auf jeden Fall eine Reise wert. Man darf natürlich nicht die typisch
goanische Gastfreundschaft vergessen, auf die die Goaner zu Recht stolz sind und
die Entspanntheit, die schon in den 60ern und 70ern Hippies aus ganz Europa
angezogen hat.



Seit den 70ern hat sich hier in Goa einiges verändert. In den 90ern wurden die
Hippies von Ravern und Alternativtouristen aus der ganzen Welt abgelöst, die an
den Stränden riesige Partys schmissen und mit Drogen experimentierten. Diese
Periode hat dem Ruf Goa’s nicht besonders gut getan, was dazu führte, dass
Strandpartys nicht mehr die Regel sondern die absolute Ausnahme sind. Heute
sind hier Menschen aller Herren Länder und aller Altersgruppen zu finden.
Mittlerweile gibt es sogar Pauschalflüge nach Goa, sodass man hier neben den
klassischen Backpackern auch auf Familien mit kleinen Kindern und Rentner trifft.

Goa hat sich an den Massentourismus angepasst, es wurden Hotelkomplexe mit
Mallorca-Ästhetik an den Stränden hochgezogen und wenn man den
zweitlängsten Strand Asiens entlangläuft sieht man kilometerweit nichts als
Strandliegen und Beachshacks, an denen Hamburger, Pommes und Bier verkauft
werden und die den Strand mit Gute-Laune- Musik beschallen. Wenn man Lust
drauf hat findet man die originalitalienische Pizzeria auf der Strandpromenade,
gleich neben dem Laden für Chinese Noodles und dem Subway. Kentucky Fried
Chicken hat eine Niederlassung und Mc Donald’s hat eine Filiale, die, um mehr
dem indischen Geschmack entgegenzukommen, alle Beefburger aus dem
Angebot nahm und durch verschiedene Veggie- und Chickenburger ersetzte. Man
findet hier auch einen Irish Pub, in dem echtes, irisches Guinness ausgeschenkt
wird und einen Stand an dem von einem Bayern Weißwürste verkauft werden. Ich
verstehe zwar nicht, warum man um die halbe Welt reist um am anderen Ende
des Globus dann doch wieder das heimische Essen zu futtern, aber der Bedarf
scheint da zu sein. Wenn man will kann man seinen ganzen Urlaub hier auf nur
einer einzigen Straße verbringen.

Für die Touristen wird hier jedenfalls alles geboten, egal ob einem gerade nach
einer Massage direkt am Strand ist oder ob man eine Runde auf dem Jetski übers
Meer fahren will. Außerdem kann man sich hier als Tourist so ziemlich alles
erlauben, so kommt es, dass man hier schon mal Rentner sieht, die sich in
Restaurants von der Polizei unbehelligt einen Joint anstecken und davon erzählen
wie das hier vor Jahren mal ausgeschaut hat. Das Leben als Tourist ist in Goa
jedenfalls nicht das unangenehmste.
Mit dem Pauschaltourismus kamen
in den letzten Jahren unter anderem
auch Russen nach Goa, die hier
ihre neuen Freiheiten ausleben und
ihr neues Geld ausgeben.
Mittlerweile machen sie einen
beträchtlichen Teil der Touristen
aus. Nach allem, was man von den
Goanern hört sind die aber gar nicht
mal so glücklich darüber. Die neuen
Touristen haben innerhalb kürzester
Zeit den Ruf gewonnen sich
grundsätzlich daneben zu
benehmen. Wenn man den
Goanern glauben soll erfüllen die
Russen hier jedes Klischee und ich
muss sagen mein Eindruck ist kein
anderer. Viele der Russen die man
hier sieht sind sehr laute und sehr
betrunkene Kerle mit Militärfrisur,
die für ihre Körpergröße ein
bedeutendes Stück zu breit gebaut
sind und mit Tattoos mit Knastoptik
geradezu übersät sind. Die Goaner haben zwar einiges an ihrer neuen Kundschaft
auszusetzen, das Angebot wird trotzdem entsprechend angepasst. In den meisten
Strandrestaurants sind die Speisekarten bereits zweisprachig, englisch/russisch
und aus den Lautsprechern dröhnt Balkanpop, Reisegruppen gibt es wahlweise
auch mit russischem Reiseführer und selbst das Kamasutra kann man hier auf
den Touri-Märkten in russischer Übersetzung erwerben. Der nächste Schritt ist in
Planung, die Gastronomie sucht händeringend nach russischen Angestellten,
wahrscheinlich wird bald das erste Restaurant eröffnet, welches den russischen
Touristen Spezialitäten aus der Heimat anbietet.


Samstag, 5. Februar 2011