Glitchcore


GLITCHCORE - Musikgeschichte beginnt meist mit irgendwelchen Bastlern, die zunächst keiner versteht. Der Computer als Lebensbedingung, -umstand oder so was Ähnliches hat sich in den 90ern durchgesetzt. Oma schenkt jetzt nicht mehr Schiesser zu Weihnachten sondern Software (nicht immer genau die, aber der Wille zählt). Da ist ein Prozess im Gange, über den sich andere Gedanken machen sollen.

Auf jeden Fall hat der Heimcomputer sich zu einem wichtigen Musikinstrument gemausert und an diesem Instrument sitzen Pioniere der Computermusik, die mit alter Hardware eine Brücke zur Vergangenheit bauen und mit neuer Software und neuer Hardware den Weg in die Zukunft weisen, ferner die Bedingungen, die der Computer stellt, der ja mehr ist als einfach ein Empfehlungsempfänger, auszutesten suchen.

Das hört sich immer sehr experimentell an, ungefähr so: Clicks and Cuts – so heißt das auch, oder Glitchcore halt (Glitch wie Störung).



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Glitchcore Geografie

Natürlich entsteht diese Musik in den 90ern. Und es gibt eine überraschend deutliche Verbindung zur innovativen elektronischen Klangkunst der Vergangenheit. Wohnton, das 1993er Album von Oval wird Düsseldorfer Label Ata Tak verlegt, das wiederum in der Entstehungszeit der Neue Deutsche Welle aktiv ist (Fehlfarben und so).

Wenn man es sich sehr doll wünscht, ist Glitchcore ein Kind Europas – das spielt jedoch eigentlich keine Rolle, weil der Computer wirklich überall stehen kann. Und beim Glitchcore geht es um den Computer als Musikinstrument. Es lässt sich keine in die Entstehung eines Genres geknüpfte Heldengeschichte erzählen.


Glitchcore Galaxie

Vorläufer sind sicherlich alle Experimentalmusiker, etwa die der Musique Concrète, die menschlichen Protagonisten entstammen unterschiedlichen musikalischen Schulen, können aus der Rockmusik (das sind dann meistens Shoegazer, die, die sich auf der Bühne mehr für ihre Instrumente als für das Publikum interessieren) oder dem Jazz kommen, sind jedoch häufig Experten elektronischer Musikrichtungen.

Clicks & Cuts ist eine Samplerreihe des Labels Mille Plateaux, wird im neuen Jahrtausend veröffentlicht und präsentiert einige wichtige Ansätze des Glitchcore. Ambient ist eine wichtige, zu erwähnende Referenz, Noise-Elemente kommen hinzu, House- und Techno-Ähnliches, grundsätzlich ist Glitchcore vergleichsweise minimalistisch gehalten.

Kein neues Musikgenre ohne den Einfluss von Hiphop. Glitch Hip bietet minimalistische Hiphop-Rhythmen, eine vielfältige, computererzeugte Geräuschfläche und die Möglichkeit, sogar einem MC dazu das Mikro in die Hand zu drücken.


Glitchcore Geräte

Beim Computer bleibt es nicht. Es gibt inzwischen eine lange Liste von Musikhardware, die von Bastlern eingesetzt werden kann. Teilweise werden Geräusche kaputter Platten und CDs eingebaut, grundsätzlich kann jedoch an jeden und alles ein Mikro gehalten und die Daten können dann wiederum durch Effektgeräte (quasi manuell) oder digital bearbeitet werden.

Die Bandbreite möglicher im Glitch verarbeiteter Störgeräusche ist riesig.


Glitchcore Götter

Genauso wie die der Vertreter des Glitchcore. Autechre etwa setzen – ähnlich Funkstörung – mit äußerst komplexen Rhythmen eine Basis, auf der sie die Glitch wie ein Picknick ausbreiten. Bei anderen gibt es eine größere Nähe zur Rock-Avantgarde, der Kanadier Tim Hecker etwa tourt mit Godspeed You! Black Emperor, Dirk Dresselhaus (Schneider TM) kommt aus der (wahrscheinlich einmal großen) ostwestfälischen Indie-Rock-Szene, die Isländer Mùm treten sogar wie eine richtige Band auf – ebenso wie die Österreicher Radian.

Andere wiederum sind weiter vom Rock entfernt. Wichtige Projekte sind noch Matmos, Mouse on Mars, Ryoji Ikeda, Fennez, Arovane, Jan Jelinek…Im Bereich des Glitch Hop Dabrye und Prefuse 73.


Glitchcore Gegenwart und Zukunft

Das ist sie.

Quelle: http://www.elixic.de/