Elektro


Die elektronische Musik hat sich in der ganzen populären Musik des ausgehenden 20. Jahrhunderts derart breit gemacht, dass es unsinnig ist, sämtliche Strömungen, Ideen, Merkmale aufzuzählen – kann sich eh keiner merken. Eine gute Gelegenheit, einmal die Anfänge anzusehen, denn die sind besser als bei jedem anderen Musikbereich dokumentiert (ist ja noch nicht so lange her).

Eigentlich umfasst der Bereich der elektronischen Musik jedes Instrument, das an eine Steckdose angeschlossen wird. Supereigentlich sogar jede Form der Musik, die aus einer Box kommt. Wahlgesänge zum Beispiel gelangen Menschen fast grundsätzlich als elektronische Musik ans Ohr.

Bei uns hat sich ein anderer Begriff von Elektro eingebürgert. Die Gitarren einer Rockband gehören nicht dazu. Musik, von Computern generiert, Synthesizer, Samples hingegen schon. Das ist kompliziert. Noch komplizierter: wenn erwachsene Menschen sich über Elektro unterhalten, dann gehen sie meistens weit zurück in der Zeit (mindestens 30 Jahre) und suchen sich Pioniere, über die sie dann reden, weil es Pioniere sind, die sich zum Beispiel fragen, wie denn die Zukunft klingen mag. Elektro hat heute nicht viel mit Zukunftsfragen zu tun – da sind die Jungs mit ihrem NeoFolk wesentlich besser – die Zukunft der Pioniere ist jetzt und man kann sagen, dass sie mit ihren Überlegungen meist ziemlich daneben liegen.

Vor ungefähr dreißig Jahren hält die experimentelle, elektronische Musik (Elektronische Musik wird das eine Weile genannt) Einzug in die Populärmusik. Kraftwerk wird häufig genannt, wichtig ist jedoch auch Klaus Schulzes Tangerine Dream (Berliner Schule genannt)


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Elektro Geografie

Frühe elektronische Instrumente sind das Teleharmonium (1897), wichtiger ist das Theremin (von dem Russen Leon Theremin, 1919), ein kleiner Kasten mit einer Antenne, dessen gruseligen Klänge gerne in Horrorfilmen verwendet werden. Das Magnetband (1932) ist eine wichtige Erfindung, die Firma Moog entwickelt in den 60er Jahren erste Synthesizer, der in den 70er Jahren so weit (günstig und kompakt) ist, dass er in populärerer Musik zum Einsatz kommt (zum Beispiel im Funk, im Rock oder im Blues). In der Disko der 70er gewinnt der Synthesizer an Bedeutung, man beginnt, von Elektromusik zu sprechen.

Allerdings ist elektronische Musik nicht derart eigenständig und groß wie heute. Das beginnt erst mit der Entstehung des House in Chicago und entwickelt sich als Techno in Detroit fort.


Elektro Galaxie

Zu einem populären Massenereignis wird elektronische Handarbeit in den Charts der 80er. Drumcomputer kommen hinzu (die Firma Roland), ohnehin wächst die elektronische Musik an den Möglichkeiten der Prozessoren. Hiphop, Industrial, die Electro Wave entwickeln sich gemeinsam mit der neuen Technik. Heute ist die Anzahl elektronischer Musikstile, nimmt man alte Hypes und die Genres, die kleinste Nischen besetzen, kaum mehr zu überblicken.


Elektro Geräte

Sicherlich sind die frühen Erfindungen, die Entdeckung, dass man nicht weiter von den Unzulänglichkeiten eines Instruments abhängig ist, sondern selbst den Ton bestimmen kann, sehr wichtig. Den Prozessor daheim, die Experimentierfreudigkeit vieler Millionen Menschen toppt allerdings jedes Genie.


Elektro Götter

Nun gut, die Arbeit des Komponisten John Cage ist nicht zu verachten, der bereits 1939 mit mehreren Plattenspielern arbeitet. musique concrète ist ein wichtiges Stichwort, es wird gesampelt, Anfang der 50er Jahre treffen sich beim WDR Komponisten und spielen mit Tonbändern (unter ihnen Karlheinz Stockhausen – wichtiger Name). Das geschieht jedoch alles – zunächst – kaum beachtet und angehimmelt wird von denen – zunächst – niemand. Anhimmeln gibt es in den späten 70ern und frühen 80ern in der Disko, auf der Straße, in der Zulu Nation Afrika Bambaataas in New York und splittet sich so schnell auf, dass keine Zeit mehr für Götter ist.


Elektro Gegenwart und Zukunft

Ja. Alles ist möglich.