Dub
Posted by Hochstrasser Rene on 09/15/2013 04:03:26 AM | 0 Comments Blog, Genres
Dub
Dub ist ein Prinzip. Heute gehört das Prinzip Dub auch zum Musikgeschäft Europas und Nordamerikas. Wer heute eine Maxi-CD seines Lieblingsmusikers ersteht, erhält nicht nur eine Auskopplung des aktuellen Albums, sondern auch – das erhöht den Wert der Maxi häufig ungemein – einige Leckereien, Remixe, die von anderen Künstlern aus dem Rohmaterial des Liedes angefertigt werden. Verwurstung oder Verarsche wird das gerne genannt, weil viele ja eigentlich die Maxi augrund der Radioversion kaufen – auf Jamaika ist das schon lange völlig normal: Reggae wird aufgepeppt, tanzbar gemacht – es ist so sehr verwurzelt, dass es von den großen Hits häufig ebenso große Dubversionen gibt.

Dub Geografie
Reggae ist ja noch recht jung. Blues und Jazz erreichen die Insel in großem Ausmaß im Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit amerikanischen Matrosen. Musik wird lange vornehmlich als irgendetwas Pseudotraditionelles in Hotels geboten, den Erwartungen der Weißen und Reichen entsprechend. Musik für den kleinen Mann und die kleine Frau ist neu, kommt gut an, und da Plattenspieler zu wertvoll für den Hausgebrauch sind, wird die Nutzung zu einer öffentlichen Angelegenheit: die Geburt der jamaikanischen Soundsystems, mobile, offene Diskos. Die Rolle des DJs ist also nicht zu unterschätzen, die Soundsystems treten gegeneinander an und neben der Lautstärke gibt es eine lange Reihe weitere Möglichkeiten, die Leute vom eigenen Sound zu überzeugen: modernes, heute auch in Europa gebräuchliches DJ-Einmaleins.
Eigene Musikstudios entstehen auf Jamaika verstärkt nach der Unabhängigkeit von der britischen Krone 1962. Hier wird extrem viel experimentiert, die Musik der einheimischen Künstler in unterschiedlichen Versionen an den Hörern in den Diskos auf der Straße ausgetestet. Die DJs bewerben die Musikstücke, indem sie die Songs mit Vocals belegen und sich, die Künstler und was sie wollen preisen (das wird damals toasten genannt, nach den Reden der ehemaligen Kolonialisten).
Als Erfinder dieses Prinzips, der weggelassenen Tonspur, der stärkeren Rhythmuslastigkeit und Tanzbarkeit gilt King Tubby. Die Instrumentalversionen, über die verschiedene Künstler singen, sind fest im Reggae und Ragga verwurzelt und werden Riddim genannt.
Dub Galaxie
King Tubbys Arbeit geht auf das Jahr 1969 zurück. Die Vielfalt, die Genialität der Künstler und die Dynamik auf der Insel erobern schnell weitere Kontinente. UB40 nimmt sich des Dubs an und entert 1981 mit Present Arms in Dub die Charts in Großbritannien. In der Zwischenzeit werde die Prinzipien des Dub in vielen – gerade elektronischen – Musikgenres übernommen, Mad Professor ist eine aktuelle Dub-Größe und hat wiederum zum Beispiel mit Massive Attack kooperiert.
Neben den Kooperationen gibt es auch neue, auf Dub zurückgehende Genres, etwas Dubstep oder Dub-Techno.
Dub Geräte
Dub steht für eine Reihe von Möglichkeiten des DJs, Musik vor tanzenden Menschen zu verkaufen. Es hat weniger mit dem elitären Gehabe früherer elektronischer Klangwissenschaftler zu tun, als mit Antworten auf die Frage, die die Basis von Musik sein sollte: was mache ich, um die Leiber in Wallung zu bringen? Der DJ wird zum Zirkusdirektor. Er erfindet den Rap (Toasts). Er verzichtet auf epische Gesänge und vertraut Beats und Bässen. Er fügt weitere Tonspuren hinzu (Overdubbing). Er probiert es mit dem gleichen Song noch einmal, um besser zu werden. Er sampelt, arbeitet mit Phasern, Echos und Delays.
Dub Götter
An King Tubby kommt keiner vorbei. Er ist der Professor des Genres. Lee „Scratch“ Perry, ist so etwas wie der Zeremonienmeister des Dub. Er tastet bereits früh Ähnlichkeiten und Unterschiede vom Zirkusdirektor und dem DJ ab. Zu den frühen Herren des Dub ist außerdem Augusto Pablo zu zählen. Den Übergang der 70er zur heutigen Zeit wird zum Beispiel von Black Uhuru (Schwarze Freiheit) bestimmt. In Europa ist das Dub Syndicate seit vielen Jahren eine wichtige Hausnummer.
Dub Gegenwart und Zukunft
Das Prinzip Dub ist fester Bestandteil der elektronischen Musik und nicht wegzudenken.
Quelle: http://www.elixic.de