Detroit Techno


Wer über Techno bescheid wissen will, sollte mit Detroit Techno beginnen. Und nicht mit irgendwelchen Klangkunstwissenschaften der 20er, der Erfindung des Computers, Science-Fiction-Romanen, mit Krautrock- oder Kraftwerkgedöns. Das soll nicht heißen, dass das alles nicht interessant ist. Es ist nur überflüssig. Techno ist einmal ein Sammelbegriff für viele Varianten elektronischer Musik,


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Detroit Techno Geografie

und dann ist Techno ein Musikgenre, weltweiter Schrecken der 90er, dessen entscheidenden Hebel in den 80ern halt in Detroit umgelegt werden. Warum diese – für viele grauenvolle – Musik in Detroit entsteht? Nun, keine Ahnung. Es kursiert allerdings eine Antwort, die zumindest interessant ist: Nihilismus. Detroit ist in den USA die Stadt der Automobilindustrie, kurz Motown. Das ist auch eine Musikrichtung, die hierher kommt, handgemacht ist, unglaubliche Musiker hervorbringt, die mit ihrem Motown nach Kalifornien übersiedeln, eine ausgereifte Infrastruktur der Musik hinterlassen (mit Clubs, verwöhnten Hörern und Medien) – und in den Geschichtsbüchern landen. Dann ist Detroit die Stadt der Arbeiter (vor Arbeit ganz grau) – und durch die Technisierung und bei Vorstandswechseln und bei jeder kleinen Rezession verlieren viele dieser Arbeiter ihre Arbeit. Unter diesen Vorraussetzungen wird das Spiel mit synthetischen Klängen plötzlich verständlicher. Ebenso sieht es mit der Aggressivität, die sich für viele Hörer in Techno ausdrückt.


Detroit Techno Galaxie

Ganz zufrieden kann einen diese Erklärung nicht machen. Es bedarf genialer Menschen. Charles Johnson (The Electrifying Mojo) zum Beispiel, einen für Innovationen und Genrewechsel offenen Radiomoderator – vor allem aber braucht es Musiker. Die Grundlage für diese Musiker bieten natürlich dann doch Gruppen wie Yello und Kraftwerk, zumindest zeigen sie Möglichkeiten auf. In Chicago ist House bereits ein Renner – auch wichtig. Am einflussreichsten ist jedoch der Musikpionier Afrika Bambaataa in New York. Und wenn man aus dem, was da ist, dem Elektrozeug, dem Funk, dem Frust, dem House, dem Industrial etwas gutes machen möchte, dann eben etwas eigenes, etwas tanzbares; etwas, was einen Nächte lang auf den Beinen hält.

Nach wenigen Jahren – man spricht von der zweiten Welle – betreten Künstler wie Jeff Mills und Carl Craig die Bühne. Bis heute aktiv, zementieren sie den Ruf des Techno aus Detroit.


Detroit Techno Geräte

Detroit Techno zum selber basteln: ein Analog-Synthesizer und ein Roland DI-55 für die Drums, eine alte Möhre, wie sie Juan Atkins, erste Welle des Detroit Techno, zunächst nutzt. Später hält sich eine ganze Weile der Roland TR-909. Zunächst geht die Sache in Richtung Funk. Gemeinsam mit Derrick May und Kevin Saunderson, erste Welle des Detroit Techno, wird unnötiger Ballast abgeworfen und eine – zu dieser Zeit ungewöhnliche – Form des Purismus zum Prinzip erkoren.


Detroit Techno Götter

May, Saunderson und Atkins sind die Väter des Detroit Techno. Aus ihren Reihen stammt auch der philosophische Background, mit dem Detroit Techno bis heute verbunden wird: von der Absage an den Konformismus und den Optimismus des Motown bis zu scharfen Urteilen über den House (der Techno ist Zukunftsorientiert und nicht wie der House in den Strukturen der 70er-Disko verhaftet), gibt es neben der Musik, die das folgende Jahrzehnt prägt, viele kluge –auch sozialkritische Sachen, die ihren Output sowohl hörens- als auch lesenswert macht.

Stellvertretend für die zweite Welle sind natürlich Jeff Mills und Carl Craig zu nennen. Mills ist ein richtiger Tausendsassa: er bastelt den Soundtrack von Metropolis (Fritz Lang, 1926) neu, vertont 2005 The Three Ages von Buster Keaton und spielt seine Musik mit der Philharmonie von Montpeller ein (The Blue Potential).


Detroit Techno Gegenwart und Zukunft

Was will man mehr? Den Detroit Techno muss man wahrlich nicht retten. Techno Tracks im Gewand des Detroit Techno werden inzwischen weltweit eingespielt. Detroit Techno entwickelt seine eigene Avantgarde fort und seit 2000 gibt es für Pilgerfahrten das jährliche Detroit´s Electronic Music Festival am Detroit River.

Quelle: http://www.elixic.de