Mehr als drei Monate nach der Bohrinsel- Explosion im Golf von Mexiko hat BP offenbar erfolgreich das lecke Bohrloch verschlossen: «Static kill» habe das «gewünschte Ergebnis» erbracht.

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Der britische Ölkonzern BP hat es offenbar geschafft, das Ölleck im Golf von Mexiko mit Schlamm zu versiegeln. Das Manöver «static kill» sei erfolgreich verlaufen, teilte BP am Mittwoch mit. Damit sei ein «bedeutender Meilenstein» erreicht.

Über Schiffe an der Meeresoberfläche pumpte BP etwa acht Stunden lang schweren Bohrschlamm in die Ölquelle. Nach Angaben von BP konnte dabei ein «hydrostatisches» Gleichgewicht erzielt werden: Der von oben in die Steigleitung gepresste Schlamm neutralisiert nun das heraufströmende Öl, so dass kein weiteres Öl austreten kann. Damit sei das gewünschte Ergebnis erreicht.

Der Zustand des Bohrlochs werde nun weiter genau beobachtet und dann entschieden, ob noch mehr Schlamm zugeführt werden müsse oder nicht, erklärte BP. US-Präsident Barack Obama begrüsste die Fortschritte. Sie seien eine «willkommene Neuigkeit», erklärte er in Washington.

Noch nicht überstanden

Das Füllen des Lecks mit Schlamm ist allerdings erst der erste von mehreren Schritten zur endgültigen Versiegelung des Bohrlochs. In einem zweiten Schritt war geplant, Zement in die Steigleitung zu pressen.

BP werde nun mit Experten und mit Regierungsvertretern über das weitere Vorgehen beraten, teilte das Unternehmen weiter mit. Zu entscheiden sei nun, ob das Zement auf demselben Weg in die Quelle gepumpt werden solle.

Nach dem «static kill» soll zusätzlich die Versiegelungsmethode «bottom kill» angewendet werden: Dabei wird durch eine seitliche Entlastungsbohrung auch am unteren Ende der Bohrleitung Schlamm und Zement eingefüllt. Damit will BP Mitte August beginnen.

Viel Öl «verschwunden»

Jüngsten Schätzungen zufolge flossen seit der Explosion auf der Ölplattform «Deepwater Horizon» vor drei Monaten rund 4,9 Millionen Barrel Rohöl (780 Millionen Liter) in den Golf von Mexiko. Nur rund ein Fünftel dieses Öls konnte laut den Angaben von US-Forschern vom Dienstag von Schiffen abgepumpt werden.

Die US-Regierung erklärte unterdessen, dass gemäss einem neusten Bericht dennoch rund drei Viertel des ausgetretenen Öls beseitigt worden seien - von Schiffen aufgefangen, verbrannt, zersetzt oder auf andere Weise unschädlich gemacht.

Auch «Mutter Natur» habe ihren Teil dazu beigetragen, sagte Carol Browner, Energieberaterin von Obama, dem Sender ABC. Nur ein Viertel des Öls befinde sich noch im Meer oder am Ufer.

«Die gute Nachricht ist, dass das meiste Öl offenbar nicht mehr da ist», sagte Browner. «Wir haben den Eindruck, dass wir an einem wichtigen Wendepunkt angekommen sind.»

Kampf noch nicht gewonnen

Forscher glauben, dass das noch verbleibende Öl wohl keinen allzu grossen Schaden mehr anrichtet, wie die «New York Times» berichtet.

Entwarnung wollte Browner aber nicht geben. Der Kampf gegen das Bohrloch sei solange nicht gewonnen, bis die Quelle in einem zweiten Schritt von unten mit Zement versiegelt ist. «Der 'static kill' kommt gut voran, aber am Ende ist es die von uns angeordnete Entlastungsbohrung, die der 'final kill-kill' ist.»

 

Quelle: 20min / sda