Aus für die Loveparade in Berlin ?
Posted by Hochstrasser Rene on 04/28/2005 12:00:00 AM | 0 Comments Blog, Latest News
Das Schicksal der Love Parade in Berlin scheint besiegelt. Zwar steht eine offizielle Erklärung zum Zeitpunkt noch aus, allerdings paßt auch dies in Bild der mangelhaften Kommunikation seitens der Veranstalter, die ganz wesentlich zu den Problemen beigetragen hat. Auf deutschem Boden hat sich die Parade somit wahrscheinlich endgültig erledigt, sofern nicht noch ein Wunder geschehen sollte.
Allerdings könnte die Idee der Love Parade im Ausland noch einige Zeit weiterleben, in den letzten Jahren ist das Event zu einem kleinen Exportschlager geworden: Paraden unter dem Namen werden mittlerweile in Mexico (Mexico City), Chile (Santiago de Chile), Israel (Tel Aviv) und den USA (San Francisco) veranstaltet. Kurzzeitig gab es die Love Parade auch schon in unserem Nachbarland Österreich (2001 und 2002 in Wien) sowie in Südafrika (2000, 2001 und 2003 in Cape Town).
Die erste Love Parade entstand 1989 als spontane Idee einer durchfeierten Nacht (zum Geburtstag von Matthias Roeingh alias Dr. Mottes). Unter dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen" wurde damals in Berlin eine politische Demonstration angemeldet, die am 1. Juli 1989 etwa 150 Teilnehmer fand. Es wurden einfach ein Generator sowie eine Anlage auf einen alten VW-Bus geladen und damit über den Kudamm gezogen. Von den 150 Beteiligten wuchs die Veranstaltung auf ca. 1,5 Millionen Raver im Jahr 1999. Seit 1997 gab es zu jedem mehr oder minder einfallsreichen Paraden-Motto eine eigene Hymne. Seit 2001 galt die Veranstaltung nicht mehr als politische Demonstration, die Veranstalter mußte seitdem für die Reinigung und die Sicherheit selbst aufkommen. Seit 2003 ist die Love Parade außerdem nicht mehr das größte Techno-Event der Welt und rangierte nach der Schweizer Streetparade fortan an Rang zwei. In Deutschland führte sie die Reihe der größten Techno-Festivals allerdings noch vor der Nature one im Hunsrück mit jährlich ca. 45.000 Gästen an. Konnte das Event 2003 gerade noch durch das Engagement der Messegesellschaft Berlin gerettet werden, gelang die Finanzierung im letzten Jahr nicht. Obwohl die Parade in diesem Jahr nach der unfreiwilligen Pause wieder stattfinden sollte, rieben sich die Organisatoren gegeneinander auf, verzettelten sich in egomanische Kleinkriege und ließen potentielle Sponsoren abblitzen, weil man es versäumte eine der Größe des Event angemessene Professionalität an den Tag zu legen. Zahlreiche Partner beklagten die mangelhafte Kommunikation der Organisatoren und Veranstalter (HousePool.com Magazine berichtete). Die lässige Laissez-faire-Haltung führte schon im Jahr 2000 dazu, daß man beinahe vergaß die Veranstaltung rechtzeitig anzumelden (siehe hierzu die Karikatur: 'Planet Techno 8').
Nun soll es das also gewesen sein? Nach 15+2 Jahren hätte man - auch als Kritiker - der Love Parade einen würdigeren Abgang gewünscht, denn letztlich gelang es kaum einer anderen Veranstaltung solche Menschenmassen aus dem In- und Ausland anzuziehen und diese weitgehend in friedlicher Koexistenz zu (elektronischer) Musik feiern zu lassen. Ach, hätte man doch bei aller Selbstverliebtheit die Zeichen der Zeit erkannt und entsprechend rechtzeitig agiert, statt dauernd nur zu reagieren und sich treiben zu lassen. Der Ausfall im letzten Jahr glich schon einem Super-GAU - professionelles Veranstaltungsmanagement geht einfach anders. Und spätestens als auch noch kurz nach Weihnachten der Geschäftsführer Fabian Lenz die Brocken entnervt hingeschmissen hatte, hätte der große Wecker endlich klingeln müssen. Warum er es nicht tat oder warum ihn keiner hörte, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Mit Samsung und T-Online standen bis zuletzt zwei finanzkräftige potentielle Sponsoren vor der Tür, reingelassen hat man sie nicht. Irgendwann sind sie dann einfach gegangen.
Die für den 9. Juli 2005 in Berlin geplante Love Parade steht nunmehr auch nach Einschätzung der rot-tiefroten Landesregierung vor dem Aus: "Die Love Parade ist mausetot", sagte der Berliner PDS-Chef Stefan Liebich dem "Berliner Kurier". "Die Veranstalter haben es nicht verstanden, ihr Konzept weiterzuentwickeln." Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) sagte: "Das Land Berlin kann keinen Euro beisteuern, weil die Love Parade keine öffentliche Veranstaltung ist. Ob die privaten Veranstalter noch etwas auf den Weg bekommen, ist im Moment nicht erkennbar." SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller fügte hinzu: "Nur Rave-Musik der 90er Jahre - das ist inzwischen zu dünn, um Großsponsoren zu gewinnen." Auch für die Berliner Clubszene ist die Entscheidung - auch ohne offizielles Statement - längst gefallen: "Für die Clubs war die Love Parade immer ein wichtiger Termin, doch wir machen uns nicht davon abhängig", sagt Olaf Kretschmar, Sprecher der Club Commission. Zumal in den vergangenen Wochen von den Machern der Parade weder zu den offenen Zuständigkeiten noch zu den Sponsoren eine klare Aussage gemacht worden sei. Die Clubbetreiber, die vielfach bereits internationale DJs für das Wochenende gebucht haben, sind verärgert und planen jetzt erneut eine "Love Week", wie sie bereits im letzten Jahr Premiere feierte. Eine ganze Woche lang werden wieder angesagte DJs auflegen, Open-Air-Partys stattfinden und Labels ihre Produktionen vorstellen. "Auf diese Weise können wir wenigstens eine klare Ansage machen", sagt Kretschmar, denn täglich gebe es Anfragen aus dem In- und Ausland. Es geht also weiter... auch ohne Love Parade.
Die erste Love Parade entstand 1989 als spontane Idee einer durchfeierten Nacht (zum Geburtstag von Matthias Roeingh alias Dr. Mottes). Unter dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen" wurde damals in Berlin eine politische Demonstration angemeldet, die am 1. Juli 1989 etwa 150 Teilnehmer fand. Es wurden einfach ein Generator sowie eine Anlage auf einen alten VW-Bus geladen und damit über den Kudamm gezogen. Von den 150 Beteiligten wuchs die Veranstaltung auf ca. 1,5 Millionen Raver im Jahr 1999. Seit 1997 gab es zu jedem mehr oder minder einfallsreichen Paraden-Motto eine eigene Hymne. Seit 2001 galt die Veranstaltung nicht mehr als politische Demonstration, die Veranstalter mußte seitdem für die Reinigung und die Sicherheit selbst aufkommen. Seit 2003 ist die Love Parade außerdem nicht mehr das größte Techno-Event der Welt und rangierte nach der Schweizer Streetparade fortan an Rang zwei. In Deutschland führte sie die Reihe der größten Techno-Festivals allerdings noch vor der Nature one im Hunsrück mit jährlich ca. 45.000 Gästen an. Konnte das Event 2003 gerade noch durch das Engagement der Messegesellschaft Berlin gerettet werden, gelang die Finanzierung im letzten Jahr nicht. Obwohl die Parade in diesem Jahr nach der unfreiwilligen Pause wieder stattfinden sollte, rieben sich die Organisatoren gegeneinander auf, verzettelten sich in egomanische Kleinkriege und ließen potentielle Sponsoren abblitzen, weil man es versäumte eine der Größe des Event angemessene Professionalität an den Tag zu legen. Zahlreiche Partner beklagten die mangelhafte Kommunikation der Organisatoren und Veranstalter (HousePool.com Magazine berichtete). Die lässige Laissez-faire-Haltung führte schon im Jahr 2000 dazu, daß man beinahe vergaß die Veranstaltung rechtzeitig anzumelden (siehe hierzu die Karikatur: 'Planet Techno 8').
Nun soll es das also gewesen sein? Nach 15+2 Jahren hätte man - auch als Kritiker - der Love Parade einen würdigeren Abgang gewünscht, denn letztlich gelang es kaum einer anderen Veranstaltung solche Menschenmassen aus dem In- und Ausland anzuziehen und diese weitgehend in friedlicher Koexistenz zu (elektronischer) Musik feiern zu lassen. Ach, hätte man doch bei aller Selbstverliebtheit die Zeichen der Zeit erkannt und entsprechend rechtzeitig agiert, statt dauernd nur zu reagieren und sich treiben zu lassen. Der Ausfall im letzten Jahr glich schon einem Super-GAU - professionelles Veranstaltungsmanagement geht einfach anders. Und spätestens als auch noch kurz nach Weihnachten der Geschäftsführer Fabian Lenz die Brocken entnervt hingeschmissen hatte, hätte der große Wecker endlich klingeln müssen. Warum er es nicht tat oder warum ihn keiner hörte, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Mit Samsung und T-Online standen bis zuletzt zwei finanzkräftige potentielle Sponsoren vor der Tür, reingelassen hat man sie nicht. Irgendwann sind sie dann einfach gegangen.
Die für den 9. Juli 2005 in Berlin geplante Love Parade steht nunmehr auch nach Einschätzung der rot-tiefroten Landesregierung vor dem Aus: "Die Love Parade ist mausetot", sagte der Berliner PDS-Chef Stefan Liebich dem "Berliner Kurier". "Die Veranstalter haben es nicht verstanden, ihr Konzept weiterzuentwickeln." Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) sagte: "Das Land Berlin kann keinen Euro beisteuern, weil die Love Parade keine öffentliche Veranstaltung ist. Ob die privaten Veranstalter noch etwas auf den Weg bekommen, ist im Moment nicht erkennbar." SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller fügte hinzu: "Nur Rave-Musik der 90er Jahre - das ist inzwischen zu dünn, um Großsponsoren zu gewinnen." Auch für die Berliner Clubszene ist die Entscheidung - auch ohne offizielles Statement - längst gefallen: "Für die Clubs war die Love Parade immer ein wichtiger Termin, doch wir machen uns nicht davon abhängig", sagt Olaf Kretschmar, Sprecher der Club Commission. Zumal in den vergangenen Wochen von den Machern der Parade weder zu den offenen Zuständigkeiten noch zu den Sponsoren eine klare Aussage gemacht worden sei. Die Clubbetreiber, die vielfach bereits internationale DJs für das Wochenende gebucht haben, sind verärgert und planen jetzt erneut eine "Love Week", wie sie bereits im letzten Jahr Premiere feierte. Eine ganze Woche lang werden wieder angesagte DJs auflegen, Open-Air-Partys stattfinden und Labels ihre Produktionen vorstellen. "Auf diese Weise können wir wenigstens eine klare Ansage machen", sagt Kretschmar, denn täglich gebe es Anfragen aus dem In- und Ausland. Es geht also weiter... auch ohne Love Parade.
- Quellen und Links:
- Berliner Kurier: Die Love-Parade ist mausetot!
- Berliner Morgenpost: Love Parade: Entscheidung fällt
- Laut.de: Love Parade: Berliner Politiker sagen: Mausetot!
- Musikmarkt: Berliner Regierung gibt Love Parade keine Chance mehr
- musikwoche.de: Loveparade scheint "mausetot"
- Focus: Techno-Sause: Love Parade ist tot
- freiepresse.de: Landesregierung sieht Love-Parade vor dem Aus
- HousePool.com: Love Parade auf Kindergarten-Niveau
- HousePool.com: Love Parade 2005 zweifelhaft?
- HousePool.com: Loveparade am Scheideweg
- HousePool.com: Flops: Music Day und Fight the Power
- HousePool.com: Loveweek statt Loveparade: Back to the roots?
- HousePool.com: Berlin hat ausgetanzt - Loveparade 2004 abgesagt
- HousePool.com: Loveparade: Aus und vorbei?
- HousePool.com: Loveparade 2003 - Catwalk der infantilen Eitelkeiten