Ambient


Ambient ist ein schwammiger, sehr uneinheitlicher Begriff für verschiedene Formen der „Tonkunst“. Während heute bei Ambient vornehmlich von elektronischer Musik gesprochen wird, beginnt die Geschichte des Ambient in einer Zeit, in der von elektronischer Musik noch nicht so viel die Rede ist. Ambient steht für Klangexperimente, den Einbau von Umwelteinflüssen, etwa Industrie- und Verkehrgeräuschen, die Schaffung von Geräuschkulissen, bzw. einer Geräuschathmosphäre. In der Folge wird Ambient häufig von Musikern eingespielt und produziert, die ungemein experimentierfreudig und aufgeschlossen an Neuem arbeiten. Ambient kann sowohl für entspannende, der Athmosphäre eines Raumes schmeichelnde Musik stehen, in der gespeist und sich entspannt wird, ebenso kann Ambient verstören wollen.

Entscheidend für das Musikgenre Ambient sind die Arbeiten des Briten Brian Eno (Roxy Music), etwa Ambient I – Music for Airports von 1978. Wie bei vielen elektronischen Musikgenres wird auch hier auf die Protagonisten des Krautrock verwiesen, die in den späten 60ern und in den 70ern recht experimentelle, eigenwillige Musik spielen – und deren Einfluss heute häufig etwas überbewertet wird. Genauso wie der Krautrock wird auch Brian Enos Ambient zunächst kaum ernst genommen.

Seine Motivation, mit Musik Raum für Inspiration und das Nachdenken zu schaffen, spielt heute jedoch weiterhin eine große Rolle im Ambient. Aber Eno hat damit keine Definitionshoheit über das vielschichte Genre Ambient.


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Ambient Geografie

Mit viel gutem Willen kann man dem Engländer Eno die Rolle des Vaters von Ambient entreißen und 60 Jahre zurückgehen – nach Frankreich. Hier bastelt der Komponist Erik Satie an Bürokraten-, Automaten-, und Möbelmusik, an Anti- und statischer Musik, an einer Kirchengründung und gemeinsam mit Picasso. Er entnimmt Geräusche ihrer ursprünglicher Umgebung und pflegt sie in einen anderen Zusammenhang ein.

Sich auf einen Mann wie Satie zu berufen, ist einfach. So soll er nicht nur Ambient inspiriert haben, sondern auch Minimal Techno – und John Cage. Dieser Mann – zu Beginn des Jahrhunderts in LA geboren, am Ende des Jahrhunderts in NY gestorben – lässt 1952 an der Harvard-Universität sein Stück 4´33 aufführen: der Pianist öffnet den Deckel seines Klaviers – und schließt ihn am Ende wieder. In der Zwischenzeit belauscht sich das Publikum beim Räuspern. 4´33 – die genaue Länge des Stückes ist nicht festgelegt – ist eine Sternstunde des Ambient. Natürlich ist Cage zunächst der Gott der Minimalisten – doch auch für Ambient hat er einen Maßstab gesetzt.


Ambient Galaxie

Über die Siebziger findet die Experimentierfreudigkeit und Offenheit für Neues, das esoterische, athmosphärische, KOSMISCHE des Krautrock – angeblich – Einzug in die Populärmusik. Die frühen Pink Floyd arbeiten – gerade in der zweiten Hälfte ihres Doppelalbums Ummagumma 1969 und auch bei Meddle – an klanglichen Experimenten. Es mag ein Kennzeichen der Zeit sein, die Musik schlägt vergleichsweise ein.

Pink Floyd, die Krautrocker, irgendwann Kraftwerk, Brian Eno: viele Einflüsse des frühen Ambient fließen in die Popmusik des New Age und formen die Klänge von Bands wie – zum Beispiel – Depeche Mode (mit).

Als experimetierfreudiges Sammelbecken für Geräuschtests und Tonexperimente geht Ambient zwangsläufig in einer der dynamischsten Musikentwicklungen der folgenden Zeit auf: im großen Meer der elektronischen Musik. In der Folge entstehen direkte Ableger, wie Ambient House und Ambient Techno und nahe Verwandte, etwa Dub und IDM und die schwarzen Schafe Illbient und Dark Ambient (mit seinen Industrial-Wurzeln).


Die Vielzahl der musikalischen Möglichkeiten lassen stark unterschiedliche Ambient-Variationen zu: da gibt es elektronischen Ambient mit Weltmusik-Einflüssen, außerdem Ambient, der auf Geräuschkulissen der Natur basiert, ferner das große Feld der Space Music, die häufig Science-Fiction-Filmen unterlegt ist und zuguterletzt sognannte Insolationist Ambient Music, die in den 90er Jahren von Elektromeistern wie Autechre oder Aphex Twin produziert wird. Es gibt Überschneidungen mit der Chill-Out-Musik. Chill-Out von The KLF kann auch als Ambient-Album bezeichnet werden.


Ambient Geräte

Rhythmen machen meist warmen Klängen Platz. Instrumentiert wird hierfür was gefällt. Ein langsamer, stetiger Aufbau sorgt für Tracks in Überlänge.


Ambient Götter

Selten sind reine Ambient-Musiker. Egal ob Erik Satie, Brian Eno oder Aphex Twin: die Künstler kommen aus unterschiedlichen Musikrichtungen und produzieren einzelne Ambient-Tracks oder Alben, haben höchstens Ambient-Phasen. Der Norweger Geir Jenssen mag hierbei als Biosphere (Ambient-Techno-Produktion) eine Ausnahme sein.

Ambient Gegenwart und Zukunft

Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, der individuelle Zugang der Künstler und die Offenheit des Genres lassen Ambient vielleicht mal eine Weile unpopulär sein, existieren wird Ambient weiterhin.

Quelle: http://www.elixic.de