Nur mit einer Badehose bekleidet wird Stefan S. (†19) am 26. August im Wasser der
Melchaa gefunden. Er nahm an einer unbewilligten Goa-Party im Melchtal bei Giswil
OW teil, zusammen mit etwa 300 anderen Feiernden.

Jetzt hat die Oberstaatsanwältin Dr. Esther Omlin die ersten Ergebnisse vom Institut
für Rechtsmedizin Zürich erhalten. «Er ist höchstwahrscheinlich ertrunken.
Ausserdem stand er unter Drogeneinfluss», sagt sie zu Blick.ch. Welche Drogen und
wie viel er davon konsumiert habe, müssten erst die toxikologischen Berichte zeigen.



Unbewilligte Party

Die Goa-Party war nicht bewilligt. Der Veranstalter hatte eigentlich einen anderen
Ort für die Party geplant – dort sei ihm in letzter Sekunde das Ok entzogen worden.
Innert kürzester Zeit musste er sich für einen anderen Ort entscheiden. Dass
dieser völlig ungeeignet war, beschreiben Besucher-Einträge in Szeneforen.

«Er wählte eine Location aus, die völlig untauglich war und durch den starken
Regen sogar richtig gefährlich wurde», schreibt einer. «Wenn man dem Weg
weiterfolgte, was nicht durch eine Absperrung verhindert wurde, ging es links vom
Weg ohne irgendeine Sicherung steil zum Bach hinunter.»

Die Polizei hatte die Veranstalter zwar gewarnt, dort die Party durchzuführen,
konnte sie in der Nacht bei einer Kontrolle aber nicht auflösen, wie die «Neue
Luzerner Zeitung» schreibt. Durch die ungünstigen Verhältnisse – schlechtes
Wetter, Platzverhältnisse, keine Beleuchtung – habe man die Gefahr für die
Partygänger klein halten wollen. Diese hätten talwärts geschickt werden müssen,
dies habe man nicht verantworten wollen.

Goa-Party ein Drogenmekka?

«Es lief alles schief, was schiefgehen konnte», schreibt ein Besucher der Party.
Stefan S. stirbt unter Drogeneinfluss. Ist die Goa-Szene ein Drogenmekka? «Ich
würde mich lächerlich machen, wenn ich behaupten würde, dass an Goa-Partys
nichts konsumiert wird», sagt Etienne Rainer zu Blick.ch. Der Zürcher ist ein
Goa-Urgestein, half mit, die Szene vor mehr als 20 Jahren in der Schweiz zu
etablieren.

Etienne Rainer mag die Klischees über den Goa-Partygänger nicht. «Das sind
keine Freaks.» An einer Goa-Party werde vor allem die Verbindung mit der Natur
zelebriert. Originelle Veranstaltungsorte, die Dekoration, die Ästhetik der Party, all
das spiele eine grosse Rolle. «Und wer sich in der Natur bewegt, geht Risiken
ein. Das ist in den Bergen nicht anders.»

Keine Aggressionen an Goa-Partys

Natürlich gebe es schwarze Schafe – wie an jedem anderen Grossanlass auch.
«Auch bei einer Streetparade werden danach immer die negativen Sachen
grösser dargestellt, als die positiven Aspekte von so einem Anlass.» Er bewege
sich seit über 20 Jahren in der Szene. «Und bei unseren Partys ist zum Glück nie
so etwas tragisches passiert.» Mehr als das: Nicht mal Schlägereien habe es
gegeben.

Etienne Rainer: «Nehmen sie jede x-beliebige Veranstaltung, eine Chilbi, ein
Fussballmatch – ich werde wütend, wenn ich Aggressionen von einigen Leuten
miterleben muss.» Aber auch hier seien wieder vereinzelte Störenfriede am
Gesamtbild schuld. Und übermässiger Alkoholkonsum trete immer negativ in
Erscheinung – egal an welchem Anlass.

Die Goa-Szene ist gemäss Etienne Rainer noch immer weit verbreitet in der
Schweiz. Im Sommer sei praktisch jedes Wochenende irgendwo etwas los.
Tatsächlich: Mehr als vier Goa-Partys sind für Samstag angesagt. (num)